X/Y-Marathons
Bei meiner abendlichen Laufrunde schlug mir der MyPod vor, mal wieder über irgendetwas Abzulästern hier. Ich brauchte auch gar nicht lange über das Thema nachzudenken, es ergab sich praktisch noch beim Laufen. Es geht um den Marathon, was sonst? ;-) Allerdings nicht um einen speziellen, sondern um seine kleinen Brüder Viertel, Halb und Dreiviertel. Ahnt ihr, wo das hingeht?
Es ist schon manchmal verrückt, wenn mich Kollegen fragen, was ich am Wochenende gelaufen bin und ich antworte: „Einen Marathon“. Dann höre ich immer die nächste Frage: „Und welche Strecke?“ Hä? Natürlich Marathon … ähm …42…, aber so selbstverständlich ist das leider nicht mehr. Ich weiß immer nicht, ob ich lachen oder heulen soll, wenn ich in Ausschreibungen von den genannten Geschwistern lese. Denkt dabei mal jemand an die Läufer? Ein ehrbarer Sportskamerad, der viel Zeit und Fleiß investiert hat, um zwanzig Kilometer zu schaffen, erfährt plötzlich, dass er ein „halber“ Marathoni ist! Und das in unserer Leistungsgesellschaft, wo Halbes nicht zählt! Na Glückwunsch! Ob er sich da noch uneingeschränkt freuen kann, der halbe Marathoni, wenn sich unter die Freude über zwanzig gelaufene Kilometer der Beigeschmack einer nur halbstarken Leistung mischt?
Genau so dummes Zeug ist es, einen Viertelmarathon zu „kreieren“. Meiner Tochter zum Beispiel ist es völlig Wurscht, wie andere diese Strecke nennen. Sie hat es kürzlich geschafft, über zehntausend Laufschritte hintereinander zu machen. Diese zehn Kilometer sind eine Riesenleistung für einen Einsteiger und es gibt überhaupt keinen Grund, den Zehn-Kilometer-Finisher praktisch auf ein Viertel eines Marathonläufers zu reduzieren. Liebe Veranstalter, lasst den Blödsinn! Nicht jeder Freizeitjogger denkt in Marathon-Kategorien und das muss erlaubt bleiben! Irgendwann geht es sonst noch so weit, dass sich ein 100-Meter-Sprinter als Zweitausendstelmarathoni beschimpfen lassen muss! Wem wäre da geholfen? ;-)
Ich kenne übrigens noch andere Zeiten. Da gab es Läufe über 18 oder 26 Kilometer, wenn die Strecke eben so lang war. Na und? Der Rennsteiglauf war 45 Kilometer lang und wer nach der klassischen Marathonstrecke schon platt war, hatte eben ein Problem J Und es gab genug Läufe über 30 Kilometer, eine Distanz, die heute kaum noch einem Veranstalter passt. Ich habe tatsächlich eine Urkunde, wo mir ein Dreiviertelmarathon bescheinigt wird! Eigentlich wollte ich nur einen langen Trainingslauf machen… Na ja, ihr wisst, was ich meine. Irgendwie nervt das eben und man sollte schnell wieder dazu übergehen, jede Strecke zu würdigen. Was dem einen sein Ultra, ist für den anderen die Runde um den Block. Aber alle wollen doch das Gleiche – Spaß am Laufen J In diesem Sinne, bleibt in Bewegung bei eurem täglichen Vier-Zehntel-Marathon, damit der Streak hält!