Schlammschlacht im Sauerland
Das Laufjahr brachte es mit sich, dass ich neben der Schwäbischen Alb noch eine andere schöne Ecke Deutschlands kennenlernen konnte. Im Sauerland bin ich
nämlich auch noch nie gewesen. Einmal dorthin zu kommen, war der schöne Nebeneffekt meines letzten (längeren ;-)) Lauf-Events in diesem Jahr.
Vom Advents-Wald-Marathon in Bad Arolsen hatte ich wirklich nur durch die Suche im Internet Wind bekommen. Aber es passte eben schön zusammen, Manu hatte in Eschwege zu tun und am Freitag machte ich nach der Arbeit dort Zwischenstation und fuhr am Samstagmorgen nach Bad Arolsen. Das sind knapp 100 Kilometer, doch es ging ganz zwanglos, denn der Start war erst um 11 Uhr vorgesehen. Für meinen Geschmack ein bisschen spät für einen Marathon, aber immerhin konnte ich leidlich ausschlafen.
Als ich kurz nach Zehn vor Ort war, war die Sporthalle schon voller Läufer. Chef-Organisator Heinrich Kuhaupt, eine lokale Lauflegende, wie ich erfuhr, war mitten im „Briefing“. Was hörte ich da? „Wir wollen heute nicht vorrangig um Bestzeiten kämpfen und uns gegenseitig erzählen, wie schnell man diesen Lauf noch laufen könne. Wir wollen gemeinsam laufen und im Ziel sagen „Toll, wir haben einen Marathon geschafft““. Das sprach mir aus dem Herzen und ich fühlte mich sofort wohl und gut aufgehoben. Die nette Atmosphäre rund um diesen Lauf ist mir wirklich gleich aufgefallen und setzte sich bis zum Ziel fort. Doch dazwischen passierte noch eine ganze Menge.
Der Wetterbericht hatte zwar erst zum Abend Regen angesagt, aber irgendwie sah der Himmel schon bedrohlich aus, mal abgesehen von den fünf Grad und eisigem Wind.
Am Start vor der Staumauer des Twiste-Stausees sammelten sich über 500 Läufer. Interessant war die Kleidungsfrage bei dem Wetter. Die meisten hatten sich wetterfest angezogen. Allerdings hüpften auch zwei Kenianer am Start herum. Den Freunden hatte wahrscheinlich noch keiner vom Spätherbst hier erzählt, die hatten ärmellose Trikots und kurze Hosen an! Einer hatte dazu immerhin eine Wollmütze auf dem Kopf, feixte mich an und wir wünschten uns „Good Luck“. Ich weiß noch gar nicht, ob sie ins Ziel gekommen sind oder unterwegs erfroren sind. Die Hundefraktion war auch zahlreich vertreten. Ein doggenartiges Teil bellte und röchelte offenbar in Erwartung der Läuferbeine schon, aber er wollte sicherlich nur spielen… Ein anderer, irgendwie sennenhundartiger Hundi verhielt sich da schon professioneller. Er hatte in Anlehnung an Herrchen die Startnummer 441a und den Namen Herkules und zog am Start flott von dannen. Zum Glück blieben Wadenbeißer und Sennenhund dann im hinteren Feld.
Gleich nach dem Start begann es auch zu regnen, da war alles beisammen – Regen, Sturm und entsprechend schlammige Wege. Bei angenehmerem Wetter ist dieser Lauf sicherlich ein noch schöneres Erlebnis. Es ging in ständigem Auf und Ab durch Wald und Feld, unterbrochen von kurzen befestigten Abschnitten. Ich war eigentlich flotter dabei, als ich wollte und nach gut zwei Stunden war schon die Hälfte geschafft. Das war allerdings auch der erste Punkt, an dem es Verpflegung gab, bis dahin waren nur Getränke vorhanden. Das hätte ins Auge, oder besser in den Magen gehen können, wenn meine Gel-Beutelchen nicht gewesen wären. Später spielte das Wetter dann alle hässlichen Karten aus. Peitschender Regen, eiskalter Wind und gefühlte null Grad. Nach drei Stunden waren meine Oberschenkel so fest, dass ich kaum noch ein Bein vor das andere setzen konnte und mich ernsthaft gefragt habe, wie das enden wird. Der Untergrund saugte zusätzlich Kraft und war vor allem bergab recht gefährlich. Aber der Kopf war in Ordnung und die Motivation stimmte noch – „Sturm und Regen schaden nicht, denn Laufwunder sind wasserdicht“ – das fiel mir an dieser Stelle ein.
Einige Läufer mussten der Kälte Tribut zollen und leider aufgeben, habe ich am Rande mitbekommen. Heinrich Kuhaupt sorgte übrigens auch unterwegs für Stimmung und begrüßte an zwei Stellen die Läufer per Megaphon persönlich. Eine schöne Motivation! Nach Kilometer 33 ging es lange bergab. Bei besseren Verhältnissen sicher eine Gelegenheit, die Beine laufen zu lassen und Gas zu geben. Aber so richtig locker bin ich dann bis zum Ziel nicht mehr geworden, es war einfach zu kalt. Möglicherweise hat es auch eine Rolle gespielt, dass es innerhalb von neun Wochen mein vierter Lauf über Marathon und mehr war. Aber vordergründig hatte ich diesen Gedanken nicht. Am Ende war ich mit viereinhalb Stunden gut im Ziel, ganze vier Minuten langsamer als beim Hitzelauf in Berlin. So unterschiedlich ist das. Allerdings kann ich mich auch nicht daran erinnern, mich einmal klamottenmäßig so „eingesaut“ zu haben.
Aber frisch (leider kalt ;-)) geduscht und mit einem Teller Suppe im Bauch sah die Welt dann schon wieder freundlicher aus. Was bleibt, ist ein aufregender Abschluss des Laufjahres in einer wunderschönen Gegend. Ein toll organisierter Lauf, den man sich im Kalender ruhig vormerken kann. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht und nun ist wirklich nur noch Regeneration angesagt – versprochen ;-)