7 - Berge contra Lauf-Alphabet
November 2010
Immer wieder kommt es vor, dass ich die Lauffreunde im Flachland beneide. Ebenerdige, ganzjährig belaufbare Strecken. Egal, ob man eben mal Gas geben will oder einfach nur vor sich hin joggen, es
funktioniert immer. Bei mir sieht das anders aus. Ab der Haustür geht es entweder steil bergauf oder steil bergab – ich kann mir aussuchen, ob ich den Stress auf dem Hinweg oder auf dem Rückweg
haben will. Mal entspannt ein paar Kilometerchen ohne Anstrengung laufen ist nicht.
Kann ich mir diesen Zustand irgendwie schönreden? Ich kann. Vielleicht kann ich euch dabei mitnehmen:
Wir sind nämlich an der Stelle, wo die Flachländer zum Trainingsplan greifen, um etwas Abwechslung in ihr Läufer-Dasein zu bekommen. Was finden wir da? Langsame Dauerläufe, schnelle Dauerläufe,
Intervalltrainings, Steigerungen, Tempoläufe und vieles mehr. Nicht zu vergessen das Lauf-ABC, um die vom einförmigen Vorwärtströdeln verkümmerte Koordinationsfähigkeit des Läufers wieder zu
erwecken.
Und ich, mitten in meinen Bergen? Wenn ich es recht überlege, bei mir enthält jeder Lauf das komplette Trainingsprogramm! Lange Anstiege im Genusstempo, moderate Gefällestrecken dafür recht
flott. Kurze Anstiege mit vollem Krafteinsatz, kurze Abstiege mit Höchstgeschwindigkeit.
Was ich inzwischen besonders liebe, sind verrückte Trailstrecken, die man mit voller Konzentration laufen muss. Das ist ein guter Ersatz für die Übungen, die das Lauf-ABC gewöhnlich enthält. Wer
den Rennsteig (den richtigen!) zwischen Schmücke und Mordfleck in Erinnerung hat, weiß, was ich meine. Solche Stellen finden sich überall. Mit der entsprechenden Vorsicht gelaufen, sind sie eine
gute Alternative zur Eintönigkeit. Man belastet einmal völlig andere Muskelgruppen, vom positiven geistigen Effekt mal abgesehen.
So gesehen, ist das eigentlich gar nicht so verkehrt mit dem Laufen in den Bergen. Ich jedenfalls nutze keine Trainingspläne, mache kein Lauf-ABC und habe trotzdem immer Abwechslung. Was ich mir
jetzt noch für die kommenden Monate wünsche? Schnee, der nur neben den Wegen fällt, damit ich den herrlichen Winterwald laufend genießen kann! Das wäre doch praktisch,
oder?