3 - Rennsteigläufer - 1986!
So simpel stand es auf der Urkunde, doch bis es soweit war, standen spannende Dinge ins Haus - lest selbst:
Viele wisssen es nicht, aber der Rennsteiglauf war den Sport-Oberen in der DDR ein Dorn im Auge. Abseits vom geförderten Leistungssport solch ein Massenereignis, bei dem sich "nur" Volkssportler trafen und über Thüringens Kammweg rannten, das wurde "oben" glatt ignoriert. Trotzdem war der Rennsteiglauf das größte Sportereignis der DDR! Immerhin liefen um die 6000 Leute auf der 45 km-Strecke und über 1000 auf dem langen Kanten! Die Kunst allerdings bestand darin, überhaupt einen Startplatz zu bekommen! Die Meldekarten wurden über die Kreisvorstände des Sportbundes vergeben, das heißt, man musste Beziehungen haben. So war das nicht nur mit Bananen.
Wir im damaligen Bezirk Suhl hatten ein kleines Privileg - an einem Tag im Dezember des Vorjahres gab es einen Termin, wo man direkt zum Bezirksvorstand des DTSB hingehen konnte und nach etwas Schlangestehen eine Startkarte für sich und noch eine zweite abholen konnte. Die nächste Hürde war die vorgeschriebene ärztliche Untersuchung, die man auf der Meldekarte nachweisen musste! Angesichts der vielen Läufer heute, die nicht gesund und schlecht vorbereitet in die Marathons gehen, eigentlich eine Sache, die ich sofort wieder einführen würde.
Der Lauf selbst war eine Riesensache - am Start ganze 5 Grad Wärme, Regen und ein bißchen Schneefall. Ich hatte mir vorgenommen, 30 km locker zu bleiben, es zu geniessen und irgendwie in Ziel zu kommen, vielleicht im Bereich von 5 Stunden. Wer einmal dabei war weiss, der Rennsteiglauf ist ein Marathon-Cross, also von Asphalt über Schotter und schlammige Hohlwege ist alles dabei, vom Gebirge abgesehen.
Die harten Teile kommen auf den letzen 12 km, also war Vorsicht angesagt. Es lief viel besser, als ich dachte und ich kam in 4:59 Stunden ins Ziel und es ging mir gut. Die "Ehrenrunde" im Stadion in Schmiedefeld treibt mit auch heute noch, 20 Rennsteigläufer-Jahre später, eine Gänsehaut über den Körper!
Dieser Lauf ist einfach Kult und jeder, der schon mehrere Jahre läuft und etwas Erfahrung in den Bergen gesammelt hat, muß unbedingt einmal hier mitgemacht haben!
Rennsteigläufer 1986! So simpel stand es leztlich auf der Urkunde, doch für mich war es eine durchbrochene Schallmauer, eines meiner größten Erlebnisse!