8 - Warum Laufwunder?
Nun ist es ziemlich genau drei Jahre her, dass ich hier mit
einem Blog begonnen habe. Der Anstoß dazu kam von einer lieben Lauffreundin (Danke an Petra
J)
Anfangs zögerte ich, denn ich wollte unbedingt vermeiden, mit den vielen Selbstdarstellern in einen Topf geworfen werden, die es unter den Bloggern gibt. Deshalb gab ich mir mein Pseudonym auch
mit einem kleinen ironischen Seitenblick auf mich selbst. Ich Laufwunder ich!
Als durchschnittlich begabter Freizeitsportler bestehen meine Wunder nicht im Brechen von Rekorden, man findet mich nie auf den Titelseiten oder dem ersten Blatt einer Ergebnisliste. Was sollte
ich der Allgemeinheit schon mitzuteilen haben? Für mich sind andere Dinge spannend. Aus eigenem Erleben kenne ich sehr gut den Zusammenhang zwischen Körper und Geist und wie beides gemeinsam die
Leistungsfähigkeit bestimmt. Das Jahr 2008 war für mich eine Art Schaltjahr diesbezüglich (vgl. meinen Artikel “Alles von vorn…“).
Ich denke, jeder der läuft, hat schon bemerkt, dass sich Laufen jeden Tag anders anfühlen kann. Manchmal schwebt man voller Euphorie über die Hausrunde, manchmal ist man in Gedanken und verpasst
den Weg, manchmal quält man sich über eine halbe Stunde und kommt in keinen Rhythmus. Der Körper ist in jedem Falle gut trainiert und könnte eigentlich… Wenn man dann jedoch in sich geht, stellt
man oft fest, dass es nur der Kopf ist, der uns treibt oder bremst oder gar blockiert. Ich kenne alle diese Fälle.
Das, was ich an dieser Stelle also mitgeben kann, ist die simple Weisheit, den Kopf zu respektieren und den Körper nicht zu zwingen, etwas zu tun, was der Kopf grade nicht mag. So ist meine
Einstellung zum Laufen und das sichert mir nachhaltig Spaß bei dem, was ich mache. Beim Betrachten der Historie in meinem Blog fällt mir genau das gleiche Verhalten auf. 166 Beiträge sind jetzt
drin. Überrascht war ich, als ich kürzlich die zeitliche Folge der Artikel mal nachgeschaut habe. Auch hier gibt es Phasen, in denen ich mehrfach in der Woche geschrieben habe und Zeiten, in
denen es lange nichts von mir zu lesen gab. Ich erkenne aber auch Beiträge, bei denen ich offenbar recht lustlos geschrieben habe. Das Schreiben ist eigentlich auch ein kleines Hobby von mir und
manchmal sprudelt die Quelle eben und ab und zu ist sie blockiert. Dann sollte ich mich nicht dazu zwingen, genau wie zum Laufen.
Wenn man die vielen Publikationen über Depressionen, Burn Out und ähnliches liest, haben die meisten geschilderten Fälle anfangs Eines gemeinsam: Wir neigen dazu, in unserer Hast des Lebens diese
Hast auch auf Dinge zu übertragen, die eigentlich unserer Entspannung dienen sollten! Am Ende dieses Weges haben wir jedoch nur noch Hast! Und diese Hast bekommt eine Eigendynamik. Das muss uns
bewusst werden, sonst laufen wir Gefahr, dass wir uns über nichts mehr freuen können und auch unser Hobby nur noch abarbeiten!
Das ist der Punkt, den ich hin und wieder bei mir selbst kontrolliere. Mache ich jetzt einen ultra-langen Lauf aus reinen Ego-Gründen? Fange ich an, die Marathons planmäßig zu sammeln und
abzuhaken oder spüre ich immer wieder den Kick, wenn ich ins Ziel laufe? Will ich wirklich wissen, wie sich hundert Kilometer anfühlen? Ich habe bemerkt, dass es für mich wichtig ist, mein Tun
immer mal wieder in Frage zu stellen, zu horchen, was der Kopf dazu sagt und mich bei Bedarf auch selbst auf den Boden zurück zu holen. Das ist ein Rat, den ich gern in meinen Artikeln
weitergeben möchte. Und das ist doch Grund genug, dass sich das Laufwunder weiter hier zu Wort meldet?