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Laufwunder

2 - Coach für Verrückte

1985

Zehn Kilometer hatte ich geschafft!

 

Ein klein bißchen fühlte ich mich nun zur großen Gilde der Läufer zugehörig, aber Rennsteigläufer waren für mich immer noch Gurus und ich war stolz, welche zu kennen und mit ihnen zu laufen.

 

Nun rückte der große Lauf im Mai näher und ich wurde gefragt, ob ich meine drei Freunde an der Strecke betreuen wolle. Das war mir natürlich eine Ehre und so saß ich am Berg in Kahlert und sah stundenlang zu, wer sich da so in Richtung Neustadt hinaufquälte, peinlich darauf achtend, meine Freunde auch nicht zu übersehen. Immerhin hatten alle diese verrückten Leute schon 27 km hinter sich und an diesem Punkt grade einen kilometerlangen Anstieg bewältigt. Da sahen einige Gesichter doch schon etwas verändert aus...

 

Ich sah drahtige Männer und Frauen mit konzentriertem Gesicht, auch etwas kompakter gebaute Lauffreunde kamen zu meiner Verwunderung vorbei, ein Läufer hatte gar nur einen Arm... Da war mir klar - das sind Menschen wie du und ich, das war der Bereich der Freizeitläufer, für die die Teilnahme an diesem Lauf das Größte war und die alle ein Ziel hatten - die Strecke zu bewältigen und gesund anzukommen. Das war der Moment, an dem mir klar war - nächstes Jahr bist du dabei! Nennt man das ein Schlüsselerlebnis?

 

 

Meine Helden kamen dann alle so im Bereich von einer Dreiviertelstunde bei mir vorbei, wechselten das Trikot, tranken den Tee und ließen sich die gestressten Waden mit dem legendären "Schlangengift" einreiben. So waren sie fit für die harten restlichen Kilometer und sind alle gut in Schmiedefeld angekommen. Und ich war gedanklich schon ein Jahr weiter...

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