Platt am Pleß
Hab ich doch das Laufwunder schon wieder vernachlässigt! Im Moment ist nichts Spektakuläres los. Ich verbringe die Lauf-Zeit sehr gern damit, mal wieder auf Strecken in der näheren Umgebung vorbeizuschauen, auf denen ich lange Zeit nicht gewesen bin. Da sind jedes Mal Überraschungen programmiert, häufig in Form von neuen Aussichtspunkten, die durch Forstarbeiten entstanden sind. Das macht mir wirklich Spaß und bringt Abwechslung ins Läuferleben. Abwechslung - das scheint sowieso das Thema des Laufwunder-Jahres zu sein, ist mir Letztens so aufgefallen. Alle Läufe in diesem Jahr fanden in Gegenden statt, in denen ich noch nie gelaufen bin. Die Ausnahme bildet lediglich der Oberelbe-Marathon, der lässt sich nun mal nicht woanders hin verlegen. Aber angefangen von Mnisek, über den Kyffhäuser bis hin nach Füssen konnte ich viele schöne Ecken kennenlernen und laufend erleben. Und das geht so weiter – momentan freue ich mich schon auf den Drei-Talsperren-Marathon Mitte September im Erzgebirge.
Unter dem Blickpunkt „Neue Gegenden erleben“ habe ich heute auch den traditionellen Inselsberg-Halbmarathon gegen den Pleß-Lauf getauscht. Der Pleß ist ein Berg nicht weit von Breitungen an der Werra. Nicht zu verwechseln mit dem Bleßberg bei Steinheid im Kreis Sonneberg, der durch die kürzlich gefundene Höhle in den Schlagzeilen war. Der Pleß bei Breitungen war zu DDR-Zeiten Standort einer Radarstation und damit nicht begehbar. Also Nachholbedarf in Sachen Natur in der Rhön! Ich hatte heute sowieso einen Lauf vor, warum also nicht mal dort. Das Streckenprofil verhieß Anstrengung – 14 Kilometer bergauf zum Gipfel auf 644 m und danach 7 Kilometer bergab. Das Wetter war schon am Vormittag sehr heiß und feucht. Ich glaube, die Pilze sind minütlich aus dem Boden geschossen.
Irgendwie fühlte sich dieser Lauf von Anfang an komisch an. Ziemliches Chaos bei der Nachmeldung, so richtig wusste keiner, wohin. Der Lauf startete dann auch erst einige Minuten später. Nach zwei Kilometern bereits eine Getränkestelle, kurz vor dem Wendepunkt der 5 km-Strecke. Zu meiner Überraschung kurz danach bereits die nächste. An diesem Punkt ahnte ich noch nicht, dass dies für die nächsten zehn Kilometer die Letzte war! Ich hatte mich nur gewundert, dass einige Lauffreunde Trinkgürtel dabei hatten. Das ist eigentlich bei gut organisierten Läufen nicht nötig. Die folgende Stunde aufwärts wurde zur Tortur. Permanenter Anstieg, sengende Hitze und kein Tropfen Wasser! Unfreundlicherweise gab es auch nicht ein einziges Kilometerschild, nicht mal alle 5 km oder so, das hätte ja gereicht. Für den Neuling auf der Strecke also kein Stück Orientierung. Den letzten Kilometer vor dem Gipfel musste ich in den Walkingschritt wechseln. Ich glaube, ich stand kurz vor ´nem Hitzekasper und war halb verdurstet. Auf dem Gipfel dann endlich wieder Getränke. Viel Zeit blieb angesichts meines Zustandes an diesem Punkt nicht, um die schöne Umgebung zu betrachten. Mit ziemlichem Frust im Bauch bin ich dann bergab gerannt und wollte nur noch ins Ziel und in den danebenliegenden Baggersee zur Abkühlung! Damit habe ich mich motiviert und habe den Lauf auch beendet.
Aber so richtig Zufriedenheit stellte sich nicht ein, denn ich war total platt von diesem Rennen. Nicht wegen schlechter Form oder falscher Lauf-Einteilung, nein, die Ursache sehe ich auf den „trockenen Kilometern“ bergauf, die mich an den Rand der Leistungsfähigkeit gebracht haben. Ich glaube, der Pleß sieht mich laufenderweise nicht so schnell wieder. Aber wie haben wir uns beim Fußball immer getröstet, wenn es schlecht lief? „Bewegt haben wir uns, geschwitzt haben wir und Bier-Durst haben wir!“ In diesem Sinne, her mit dem Erdinger (alkoholfrei)!