Mal eben einen Marathon?
Das ist ja wirklich spannend. Seit dem Königschlösser-Marathon vor zwei Wochen mache ich mir so meine Gedanken. Ich habe diesen Lauf einfach mal mitgemacht, praktisch ohne Vorbereitung. Der letzte Lauf von mehr als 20 km war die Rennsteigstaffel Mitte Juni. Seitdem habe ich es sehr ruhig angehen lassen und mich eher im regenerativen Bereich bewegt. Streckenlängen um die zehn Kilometer, keine Tempoläufe, alles entspannt. Und praktisch aus dem Stand heraus kann ich einen Marathon abrufen, also um die viereinhalb Stunden Ausdauerleistung und ohne jegliche Nachwehen. Einfach mal so. Nicht einen Moment kam mir im Vorfeld der Gedanke an Leichtsinn oder Ähnliches. Ich war mir meiner Sache völlig sicher. Noch vor einem Jahr hätte ich mir das nicht gewagt, so hatte ich es auch in meinen Gedanken kurz vor dem Berlin-Marathon beschrieben.
Was ist das? Scheinbar hat der Körper durch das jahrelange Laufen eine riesige Grundkondition aufgebaut. Sicher kommt der Erfahrungsschatz dazu. Wie viele andere Freizeitläufer auch, weiß ich bei einem Marathon, was ich tue. Ich kann mir einen Lauf einteilen, kenne keinen Hammer mehr am Kilometer 30 und habe ein sehr genaues Gefühl dafür, was mein Körper an diesem Tag leisten kann und was nicht. Ungefähr nach der Hälfte des Laufes kann ich meine Endzeit auf zwei bis drei Minuten genau vorhersagen. Ohne Quatsch, ich habs mehrfach probiert! Das kann kein Zufall sein. Vielleicht ist es diese Kombination aus Training und Erfahrung. Nach wie vor gilt aber auch, dass ich nie ein solches Rennen starten würde, wenn ich nicht gesund wäre.
Der Kopf weiß, dass er sich nicht verrückt machen muss. Ich brauche kein Tempotraining und will keine speziellen Zeiten erreichen. Ich merke am Anfang des Laufes, wie ich drauf bin, wie das Wetter mitspielt, wie die Stimmung ist und so gestalte ich einen Lauf. Eine Zeit von unter viereinhalb Stunden bei einem profilierten Marathon in der Natur ist für mich immer eine gute Zeit. Normalerweise lässt sie es zu, auch das eine oder andere Foto unterwegs zu machen. Und wenn es mal ein paar Minuten mehr sind ist es auch okay. Wichtig sind der Spaß unterwegs und ein lockerer Ziel-Einlauf.
Ich frage einfach mal in die Runde, vor allem die Ultra-Leute: habt ihr euch schon mal ähnliche Gedanken gemacht? Ist euch schon mal vor euch selber angst geworden bei dem Gefühl, einfach endlos laufen zu können? Habt ihr die Marathonstrecke schon mal als „Tagesgeschäft“ erlebt? Ist das etwa das Ultra-Geheimnis, was ich da entdeckt habe? Ich bin gespannt, was ihr schreibt!