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Laufwunder

Spätes Jagdglück

7. Januar 2012 , Geschrieben von Holger

Oertel.jpgEndlich liegt sie vor mir – die CD mit den unvergessenen Reportagen Heinz Florian Oertels! Seit über zehn Jahren bin ich hinter dem Teil her gewesen. 1998 erschienen, war sie seitdem einfach nur vergriffen und ist bisher nicht wieder aufgelegt worden. Bei ebay wurde sie zeitweise knapp unter einem Hunderter angeboten. Aber meine Geduld hat sich letztendlich ausgezahlt, ich habe sie kürzlich für nicht mal die Hälfte des Ladenpreises bekommen. Warum auch immer, mir ist es egal.

„HFO“ ist genau wie Cierpinski eine lebende Legende für mich. Nur an neun der insgesamt 27 Reportagen von Zatopek bis Kati Witt kann ich mich wirklich erinnern. Beim Rest war ich noch nicht geboren oder spielte mit Bausteinen. Doch Oertels Stimme ist seit meiner Kindheit mit allen sportlichen Großereignissen verbunden.

Diese lebten auch sofort wieder vor dem Auge auf. Ich sehe das legendäre Sparwasser-Tor bei der WM 1974. Gemeinsam mit einigen Hundert Fußballfans saß ich im strömenden Regen auf einem Zeltplatz auf Rügen. Der Fernseher stand im Fenster des Gebäudes der Zeltplatzleitung. Ich sehe mich als 15-jährigen nachts 2 Uhr vor dem Fernseher sitzen, um 1976 Waldemars ersten Olympiasieg zu erleben. Nie im Leben hätte ich damals einen Marathonlauf von Anfang bis Ende angeschaut, das wäre mir viel zu langweilig gewesen. Es war Oertels fachkundige Reportage, die mir den Blick dafür öffnete, dass so ein Rennen voller Taktik und Spannung sein  kann. Und eine taktische Meisterleistung Cierpinskis war es ja am Ende auch, wie er dem favorisierten Frank Shorter den Zahn zog. Ich sehe mich 1980 während der Spiele in Moskau. Ich war damals bei der Armee und im überfüllten Fernsehraum lief Waldemar, begleitet von Oertels legendären Worten „Väter habt Mut…“, zum zweiten Mal als Olympiasieger über die Ziellinie. Ohne Quatsch, die Reportage der letzten Runde im Stadion kenne ich inzwischen auswendig. Wer das auch einmal üben möchte, hier ist ein Link zu YouTube. Aber das nur nebenbei.

Warum ist Heinz Florian Oertel für mich so einzigartig? Da wäre zuerst seine markante Stimme. Ich habe ihn bei einer Buchlesung live erleben dürfen, da war er schon über 75 und klang wie eh und je. Einzigartig machen ihn sein riesiger Wortschatz und sein unübertreffliches Reservoir an phantasievollen Redewendungen. Einige davon gingen auch ungewollt als echte Lacher in die Geschichte ein. Wer erinnert sich nicht an die Damen, die „ihre zweihundert Meter Brust abgewickelt haben“? Gemeint war natürlich Schwimmen. Neben seiner großen Sachkenntnis in vielen Sportarten ist mir vor allem immer aufgefallen, mit welcher Fairness er seine Interviewpartner behandelt hat. Das sind zwei Dinge, die offenbar heutzutage keine große Rolle mehr spielen, wenn man das Gesülz mancher „Reporter“ hört. Da ist leider keiner mehr dabei, der die Qualität eines Oertels erreicht. Aber okay, wenn mir nach einer guten Sportreportage ist, lege ich eben die CD ein. Das war es, was ich euch unbedingt erzählen wollte.                    

 

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Waldemar! Waaaldemar! :) cooler typ ^^
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