Rennsteigstaffel 2013 - Finale bei Büchsenlicht
Wieder mal der Rennsteig, er lässt den Läufer nun mal nicht los. Nur die Herausforderung war diesmal eine andere. Am Tag der Sonnenwende geht es traditionell nicht darum, als Einzelkämpfer zu bestehen, sondern die Teamleistung ist gefragt – es ist Staffellauf auf dem Höhenweg! Rennsteig-Staffel, das bedeutet: Freunde treffen, die man sonst selten sieht. Logistische Wunder vollbringen, damit jeder zur rechten Zeit am rechten Ort ist. X-mal den Zeitplan vorher prüfen, um spätestens nach dem Start festzustellen, dass sowieso alles ganz anders kommt. Mitfiebern und, wenn es sein muss, auch mitleiden mit demjenigen, der gerade auf der Strecke ist. Hoffen, dass sich keiner verletzt und aufgeben muss. Immer mal zu rechnen, ob es vielleicht gerade so ohne Notstart in Oberhof klappt. Gedanken über Gedanken, die sich besonders derjenige macht, der erst spätabends zum Einsatz kommen würde – in diesem Falle ich.
Aber so lange hielt ich es natürlich nicht zu Hause aus. Schon drei Uhr nachmittags traf ich Petra (dunkelgrün) und Jörg in Oberhof. Den Notstart in Oberhof nahmen wir gelassen hin und schickten Petra (hellgrün) ins Rennen. Manfred kam dann zwanzig Minuten später und hatte ein tolles Rennen hingelegt. Wir fuhren dann zur Neuen Ausspanne und beobachteten den Wechsel von Petra auf Petra und dann nichts wie ab mit uns zum Kleinen Inselsberg. Von dort sollte Jörg ins Geschehen eingreifen. In mir kam langsam die Vorstart-Unruhe auf und ich fuhr auch sofort weiter Richtung Hohe Sonne. Damit war ich gut beraten, denn ich musste einen riesigen Umweg über Eisenach nehmen. Unser nimmermüdes Lauf- und Radwunder Angela war übrigens wieder in voller Aktion – die erste Etappe gelaufen und dann weiter geradelt. Sie gönnte sich eine kleine Pause und ließ sich um den Inselsberg drum herum fahren. Der Plan war, dass sie mich dann auf der letzten Etappe wieder begleitet. Darauf setzte ich meine Hoffnung, denn ich hörte eine Menge Geschichten von Staffeln, die sich auf dem letzten Stück richtig verfranzt haben sollten und von Suchaktionen bei Dunkelheit nach versprengten Läufern.
Das alles wollte ich nicht erleben und war mir sicher, dass wir zu zweit den Weg schon finden würden. An der Wechselstelle war aber weit und breit keine Angela zu sehen! Da kam Jörg schon angeflogen. Punkt 20.31 Uhr rannte ich los und war kurze Zeit später ziemlich allein im Wald. In mir wuchs die Erkenntnis, dass ich mich wohl doch allein zurechtfinden musste. Na gut. Obwohl das Profil auf der Karte eine deutliche Abwärtstendenz aufwies, ging es doch ziemlich bergauf und bergab. Nichts gegen einen langen Anstieg, aber das Gehoppel war nicht lustig. Doch plötzlich, ich war bestimmt schon eine halbe Stunde unterwegs, traute ich meinen Augen nicht! Als wäre es die normalste Sache der Welt, stand plötzlich meine „Scoutine“ auf dem Weg! Auch sie war Opfer der Umleitung geworden, hat sich aufs Rad gesetzt und ist mir bestimmt vier Kilometer entgegengekommen! Meine Bewunderung war grenzenlos und meine Freude ebenso. Zusammen ging es flott vorwärts. Wie gut es war, dass Angela dabei war, merkte ich dann kurz danach. Ohne sie hätte ich mich definitiv an zwei Stellen verlaufen! Die Schildchen am Baum bzw. Feldrand waren nicht gerade hilfreich, eine Markierung auf dem Boden wäre besser gewesen. Leider war es in den Waldabschnitten auch schon ziemlich duster. Für den Jäger beste Bedingungen, ich aber habe mich da nicht getraut, die Sau rauszulassen und Risiko zu rennen.
Angela und ich haben insgesamt noch sieben andere Staffeln eingesammelt, dreimal wurde ich selbst überholt, also vier Plätze netto konnten wir noch gutmachen. Als ich gerade schön drin war im Lauf, nahte schon das Ziel. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich noch vor 22 Uhr im Ziel sein könnte. Also nochmal Gas auf den letzten 500 Metern, offenbar zur Überraschung der anderen, die zusammen gewartet haben und dann zu tun hatten, mir zum gemeinsamen Zieleinlauf zu folgen. Der Rest war Party! Medaillen herbei, den Stein in die Werra, Siegerfoto und ab ins Festzelt. Nochmal herzlichen Dank an Angela für die tapfere Leistung und ebenso an Jörg für die Organisation! Und jetzt kann ich es ja verraten: Jörg und Petra haben viel schönere Berichte geschrieben als ich! Unbedingt reinschauen!