"Läufer sind auch da..."
Mit diesen Worten im Nachsatz kündigte der MDR-Nachrichtensprecher heute Morgen um 06.30 Uhr den Kyffhäuser-Bergmarathon als Mountainbike-Wettkampf an! Gerade hatte ich mich in mein Auto gesetzt, um dorthin zu fahren und hörte verwundert diese Ankündigung. Der Radiomensch war sicher kein allzu großer Sportsfreund oder jemand hat ihm einen Streich gespielt. Klar gibt es auch ein MTB-Rennen, aber in erster Instanz ist das doch wohl eher ein Lauf Ich feixte jedenfalls in mich hinein und gab Gas nach Bad Frankenhausen. Die Überschrift für diesen Artikel stand damit natürlich fest.
Den Halbmarathon bei dieser Veranstaltung kannte ich schon, aber der Marathon war neu für mich. Ich kannte nur die Berichte und hatte schon Respekt in Erwartung von harten Anstiegen und verschlammten Strecken. Aber das sollte mir alles egal sein, ich wollte es nehmen, wie es kommt, denn mit diesem Lauf begann der harte Teil meiner Rennsteiglauf-Vorbereitung. Immerhin dreihundert Läufer gingen dann auch auf die Strecke. Erst mal tat sich lange Zeit gar nichts, was die Berge betrifft. Ziemlich gelangweilt lief ich lange Zeit auf Asphalt durch irgendwelche Dörfer. Eine kurze Abwechslung gab es nur an der Barbarossa-Höhle. Der Rotbärtige selbst stand am Wegesrand, aber nach gut fünf Kilometern hatte ich noch keine Lust auf Fotospaß und lief freundlich winkend weiter.
Erst nach über zehn Kilometern ging es in den Wald, aber dafür gleich mit einem ordentlichen Anstieg. Dort nahmen einige schon mal den Gang raus und ich überholte ein Pärchen, bestehend aus einem blinden Läufer und seinem Guide. Ich erinnerte mich, die beiden auch im Bergwerk Merkers gesehen zu haben. Hut ab! So ein Lauf, verbunden mit einem kurzen Band, das ist echtes Teamwork! Auf der Höhe dann wurden wir belohnt mit einem herrlichen Ausblick auf die Talsperre Kelbra. Im Hintergrund war schon der Harz zu sehen. Nur den Brocken konnte ich nicht entdecken. Der Lauf wurde nun zu einem wunderschönen Landschaftslauf. Immer am Nordhang des Kyffäusergebirges entlang, gut zu laufende Wege und immer wieder herrliche Aussicht auf das Südharzgebiet. Mittlerweile hatte sich um mich herum ein Grüppchen gebildet. Es wurde geschwatzt und die nächste halbe Stunde verging wie im Flug bei lockerem Tempo.
Dann wurde es zunehmend steiler – das Kyffhäuser-Monument war nahe und damit die Hälfte des Laufes. Nach dem heftigen Anstieg zum Plateau wartete dort ein gut ausgerüsteter Verpflegungspunkt. Haferschleim, Banane, Brot, Äpfel … toll! Das war leider bei den anderen Punkten ein bisschen der Schwachpunkt. Nur das angebotene Bierchen lehnte ich ab. Das wäre Stilbruch gewesen, Bier wird erst verdient und dann im Ziel genossen und nicht unterwegs. Kurz nach dem Gipfel wartete noch eine Überraschung: Nora und Klaus waren heute als Wanderer unterwegs und hatten schon Ausschau nach mir gehalten. Viel Zeit war nicht, ein Hallo, ein Foto und weiter ging es.
Langsam näherte ich mich dem Punkt, an dem der Marathon auf die HM-Strecke trifft. Von da an kannte ich den Weg und wusste, was noch so kommt. Letztmalig grüßte der Kyffhäuser, nun schon weit weg. Gut gefallen hat mir übrigens die Kilometerbeschilderung im Stile von „Noch xx Km“. Das hat echt Spaß gemacht zu verfolgen, wie sich die Strecke immer mehr verkürzte. Ein Blick auf die Uhr nach knapp 30 Kilometern verriet zu meiner Überraschung, dass ich erstaunlich gut dabei war. So um die fünf Stunden hatte ich ins Auge gefasst, aber wichtiger war mir lockeres Durchkommen. Die Zeit sah allerdings wesentlich besser aus. Ich hatte mich schon gewundert, dass mich nach dem Kyffhäuser-Denkmal keiner mehr überholt hatte, ich selbst aber immer wieder an Läufern vorbeilief, die es nun etwas langsamer angehen mussten.
Irgendwann wurde die Rest-Kilometerzahl einstellig. Mir ging es wirklich gut, es lief locker voran und ich sah keinen Grund, nochmal Gas zu geben und irgendwas zu riskieren. So bin ich mit 4:42 h ins Ziel gekommen, ohne mir ein Bein rausgerissen zu haben. Nebenbei registrierte ich, dass ich damit die zweite Hälfte eine Viertelstunde schneller gelaufen bin als die erste. So lasse ich mir das gefallen für den ersten Marathon in diesem Jahr. Mal sehen, wie ich die Regeneration gestalte, denn schon in einer Woche ist der nächste Kracher: Der 50er in Mnisek pod Brdy in Tschechien.
Für heute jedenfalls seht ihr mich zufrieden, hungrig und durstig :-)