Laufen bis zum Abwinken
So, nun hab ich also auch die Erfahrung eines X-Stunden-Laufes gemacht. In diesem Falle waren es sechs Stunden im Rahmen des ersten „Welt-Down-Syndrom-Tag-Marathons“ in Fürth. Das klingt kompliziert, heißt aber tatsächlich so und hat auch einen Hintergrund. Ich schreibe dazu dann einige Zeilen extra.
Für mich bedeutete die Aktion, frühmorgens ins Fränkische zu fahren. Dank der A73 ist die Region jetzt in greifbarer Nähe. Die 150 Kilometer sind in knapp anderthalb Stunden zu schaffen. Der Lauf fand auf einem Rundkurs von ca. 1,3 km Länge entlang einer Freifläche statt und die Strecke war damit komplett einsehbar. Jede Runde endete bzw. begann mit einem Durchlauf durch eine Halle. Durch die Vielzahl der ausgeschriebenen Wettbewerbe vom Stundenlauf bis zum 6-Stunden-Lauf, Halbmarathon und Marathon und einem 6-Stunden-Staffellauf wurde es trotz der immer wiederkehrenden Runden keine Sekunde langweilig. Besonders die Stimmung in der Halle war ausgezeichnet und die Läufer wurden praktisch bei jedem Durchlauf namentlich aufgerufen und angefeuert.
Das Wetter war zum Glück sonnig. Allerdings begann der Lauf bei Minusgraden und kaltem Wind. Es wurde dann zwar ein bisschen wärmer, der Wind hörte aber leider nicht auf. Ich bin mit Jacke und 2 Shirts drunter losgelaufen und habe keine Sekunde dran gedacht, irgendwas davon auszuziehen. Die Möglichkeit dazu hätte ich gehabt, denn so wie viele andere Teilnehmer auch deponierte ich meine Tasche mit Klamotten und Gel an der Strecke. Der Vorteil eines Rundkurses. Wider Erwarten hat mich das sture Laufen nicht wirklich gestört. Die bunte Masse der vielen Läuferinnen und Läufer und die Stimmung am Rande boten eine gute Abwechslung. Auch Sambagruppen waren an der Strecke verteilt. Besonders in Erinnerung habe ich die kleinen Cheerleaders, ich schätze mal Mädels im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, die wirklich die ganzen sechs Stunden an der Strecke waren und die Läufer angefeuert haben! Eine Ausdauerleistung für sich!
Rein sportlich hatte ich mir „50 plus“ vorgenommen, wobei ich im Idealfall mit 53-55 km geliebäugelt hatte. Leider bekam ich nach viereinhalb Stunden windige Grüße von meinem rechten Knie. Ich hatte das jahrelang nicht, aber ich weiß, dass der ständige Wind auf das Knie bei mir irgendwann zu Schmerzen führen kann. So verbrachte ich die restlichen neunzig Minuten im langsameren Trab. Spannend waren dann wieder die letzten fünf Minuten des Laufes. Hier kam nochmal richtig Stimmung auf. Die Staffeln hatten alle Mitglieder auf der Strecke, alle jubelten vor sich hin, bis der Knall aus einer Startpistole das Zeichen zum Anhalten gab. Jeder blieb stehen, wo er grade war, klatschte die ab, die drumherum standen und wartete auf die Kampfrichter, die die letzten Meter maßen. Die angestrebten 50 plus habe ich trotz der Probleme geschafft. Es waren knapp 51 km am Ende. Ein weiterer langer Trainingslauf Richtung Rennsteig ist vollbracht und ich bin zufrieden.