Laufen als Nebensache
Das schöne Wetter für das Wochenende hatte sich schon tagelang angekündigt. Und genauso lange freute ich mich darauf – der Sonntagvormittag sollte meiner werden! Im Moment bietet mir die Arbeit wenig Bewegung in jeder Hinsicht und ich war gierig darauf, Körper und Geist mal wieder eine Abwechslung zu bieten.
Also den Laufrucksack drauf und los zu einem längeren Ritt. Punkt neun Uhr war ich auf dem Weg auf die Höhen, allerdings ohne Volksmusik im Ohr. Ich hatte mich vorsichtshalber bis Mittag zu Hause abgemeldet. So um die drei Stunden wollte ich in Ruhe laufen. Wie immer zunächst bergan, ging es Richtung Schmiedefeld. Es war noch ziemlich frisch, als ich an der Bergstation des Skiliftes vorbei kam. Das Panorama war herrlich anzusehen. Ganz in der Nähe der Finsterberg. Der Schneekopf war nur an den Spitzen des Aussichtsturmes erkennbar aber in der Ferne grüßte sogar der Inselsberg! Das bedeutete gut 40 km Fernsicht!
Von der Kalten Herberge nahm ich den Weg über den Eisenberg nach Schmiedefeld. Diesmal ging die Aussicht über den Ort hinweg bis hinter Neuhaus und Frauenwald! Praktisch ein Rennsteiglauf mit den Augen! Ganz außer der Reihe konnte ich dann die letzten drei Kilometer des Supermarathons nochmal genießen. Sofort war das Gefühl dieses riesigen Laufes wieder da, das war ja irre! Wie damals im Mai flog ich den Berg hinab. Eigentlich wollte ich mir auch einen heimlichen Zieldurchlauf in Schmiedefeld gönnen, aber dazu kam es nicht. Irgendwie habe ich einen Abzweig verpeilt und stand letztendlich auf einer Weide. Mein einziger Ausweg bestand darin, dem Lauf einen „Trail-Abschnitt“ hinzuzufügen und mehrere hundert Meter zwischen Kuhfladen zu navigieren, bis ich den Zaun und damit wieder sicheres Terrain erreichte.
So kam ich allerdings ein bisschen aus der Richtung und landete in der Nähe von Vesser. Das Örtchen und das gleichnamige Tal hatte ich heute eigentlich nicht auf dem Plan, aber okay. Es ist nun mal eines der schönsten Orte Thüringens und meine Hausstrecken sind alle dort. Also hinein und bergauf zur Wegscheide. Mittlerweile waren auch die Wandersleut wach und unterwegs. Immer wieder gingen freundliche Grüße hin und her. Verbissene Stöckler waren übrigens nicht zu sehen. ;-)
Zurück auf der Wegscheide, dem höchsten Punkt der Strecke, beschloss ich, die Aussicht auch in Richtung Rhön zu prüfen und nahm den Weg über den Döllberg. Wer einmal dort gewesen ist, kennt diesen faszinierenden Blick über ganz Suhl. Leider gibt ihn das Wetter nur selten frei, aber heute war so ein Tag. Ich mache euch mal bisschen neidisch.
Grund genug, einfach mal innezuhalten und zu genießen. Wie oft läuft man im Alltag praktisch mit Scheuklappen herum, meckert hier und da über die Zustände im Allgemeinen und im Besonderen und verliert dabei den Blick für das Schöne? Ich ertappe mich bei solchen Gelegenheiten immer wieder dabei. Umso mehr tun mir diese Stunden gut. Zu spüren, wie der Körper zuverlässig Leistung bringt, dabei Spaß zu haben und den Blick wach zu halten für Neues. Diese Kombination ist einfach einmalig! Am Ende standen rund 25 km auf der Uhr und endlos Höhenmeter kamen dazu. Wobei das eigentlich Nebensache war an diesem Vormittag…