Kann Gier geil sein?
Spätestens seit Jürgen Klopp im Meisterrausch wieder von „geilen Erfolgen“ mit seiner „gierigen Truppe“ spricht, entzünden sich die Kolumnisten der moralbewahrenden Qualitätsmedien an diesen Begriffen. Vor allem die Frage nach der Zulässigkeit von Gier bewegt den einen oder anderen Wortklauber. Jo wer wird denn wohl gierig nach dem Ball sein, tztztz? Tut man denn sowas, dem Gegner gierigerweise immer noch ein Törchen mehr reinzuhauen als es eh schon reicht? Und dann noch die Gier, dabei gut auszusehen. Au weia!
Ich frag mich, wo an dieser Stelle das Problem ist? Gier im Sinne von Begehren bewirkt im Sport noch gar nichts. Dann wäre nämlich Schalke deutscher Dauermeister. Die Gier nach dem Erfolg hat im Vorfeld viele Dinge befördert: Disziplin, Trainingsfleiß, Teamgeist, gesunde Lebensweise. Und hier ist doch schon die Kurve zu uns Läufern. Die Gier nach dem Finisher-Shirt allein bewegt den Hintern nicht von A nach B. Da braucht es einiges mehr, siehe oben. Kann das schlecht sein? Ich sag mal nein und bin ab sofort gierig nach einem geilen Rennsteiglauf-Erlebnis!
Übrigens: Ist euch schon mal aufgefallen, dass diese Art von Schreiberlingen sich nie über die verwerflichste Art der Gier äußert? Ich meine die Gier nach Geld, in deren Namen sogar Menschen getötet werden. In welchem Verhältnis dazu stehen Worte, die ein begeisterter Fußball-Lehrer ausruft?