Glück Auf!
Es war wieder mal Zeit für einen läuferischen Besuch der Unterwelt. Das herrliche Herbstwetter auf dem Weg nach Sondershausen fühlte sich schon ein bisschen hämisch an. Man hätte auch so schön draußen laufen können, aber nein, es war für den Kristall-Lauf gemeldet und den Berggeistern ist das Wetter an der Oberfläche völlig egal. Klaus und Nora haben mich freundlicherweise mitgenommen und so waren wir recht pünktlich am Schacht, denn dort braucht alles seine Zeit. Die Startunterlagen empfangen und zur Seilfahrt anstellen – mit jeder Minute trudelten mehr Läufer ein, die das unterirdische Spektakel erleben wollten.
Im Gegensatz zum Lauf in Merkers kommt man hier direkt aus dem Lift in die volle Stimmung hinein. Eine Bergmannskapelle spielte live, alles war hübsch beleuchtet und es gab viel zu sehen. Ich hatte diesen Lauf 2003 und 2005 schon einmal mitgemacht und hatte die Bedingungen als sehr schwierig in Erinnerung. Daran hatte sich auch nichts geändert, wie ich kurze Zeit später feststellen konnte. Punkt 11 Uhr kam nicht der Steiger, sondern es begann der Run hinein in den Stollen. Das Grubenlicht allerdings hätte man streckenweise gut gebrauchen können. Ich hatte keines dabei und lebte deshalb in einigen schlecht beleuchteten Abschnitten ziemlich gefährlich, denn der Untergrund war schmierig und uneben. Nichts desto trotz habe ich in der ersten Runde mal komplett die „Sau rausgelassen“. Ich wollte mal testen, wie schnell ich so eine Runde von gut fünf Kilometern bei dem Profil schaffe. Also volles Risiko – alle Anstiege volle Pulle und die dunklen Strecken mit Vollgas im Vertrauen darauf, dass mir noch nie etwas passiert ist beim Laufen. Aber die Uhr zeigte genau 30 Minuten nach der Runde und da war dann auch klar, dass diese Strecke nicht dafür gemacht ist, dass ich sie unter einer Stunde laufe. Eine zweite solche Runde war nicht drin unter den Bedingungen. Also bin ich es ein wenig gelassener angegangen und war mit knapp über einer Stunde dann gut im Ziel dabei. Nora ist auch gut reingekommen.
Spaß hat es auf alle Fälle gemacht und insgesamt drei Stunden pures Salz zu inhalieren hatte ja auch was. Gut verschwitzt und frisch gepökelt haben wir dann unseren kleinen Kristall-Pokal und das T-Shirt abgeholt und das Erlebnis ausklingen lassen.
Eigentlich sollte der Kristall-Lauf nur das Laufwochenende eröffnen, denn es war für Sonntag ein Lauf auf dem neuen A4-Teilstück bei Eisenach geplant. Dort war der Plan, einen schönen Lauf „in Familie“ zu machen und unsere Tina wollte ihre Laufwunder-Premiere über zehn Kilometer feiern. Leider wurde der Lauf verschoben, weil die Baustelle nicht rechtzeitig fertig geworden war. Aber davon ließen wir uns nicht beeindrucken und verlegten das Unternehmen kurzerhand auf meine Lieblingsstrecke im Vessertal. Ich habe mich wirklich riesig gefreut, neben Manu jetzt auch eine unserer Töchter dabei zu haben. Nun wurde es für Tina gleich noch eine Berg-Premiere. Beim ersten 10 km-Lauf auch 400 Höhenmeter zu knacken, war schon eine Herausforderung. Und wir haben es gemeinsam geschafft! „Voll Toggo“, oder?