Eisbein und Sonnenbrand
So kurz könnte ich den Lauf „Rund um die Steinmühle“ gestern in Marburg beschreiben. Nein, ein bisschen mehr an Bericht darf es schon sein, oder?
Ich hatte mir noch schnell eine Übernachtung besorgt und bin schon am Freitag nach der Arbeit direkt nach Marburg gefahren. Glücklicherweise lag die Pension in Sichtweite zum Landschulheim „Steinmühle“, dem Start- und Zielort. Das war schon der eher ländliche Teil von Marburg, so schien es. Ein Reitstall mit angrenzender Koppel macht mich neugierig. Pferde und ich, das gibt ja immer einen Spaß. Aber irgendwie schien sich meine Art, die Gäule zu verklapsen, rumgesprochen zu haben zwischen Vessertal und Marburg. So richtig fiel keines auf meine gefakten Leckerli-Angebote rein und kam angetrabt. Also nahm ich mir die Zeit für einen kleinen Spaziergang entlang der Lahn und entdeckte tatsächlich auch eine Steinmühle. Dann holte ich mir noch meine Startnummer und ließ den Abend ausklingen.
Am Samstag morgen war es wieder bitter kalt. Die Autoscheiben gefroren, das Thermometer zeigt minus zwei Grad. Eine Stunde vor dem Start war ich bereits an Ort und Stelle. Mein Auto parkte exakt zwischen zwei Maulwurfhügeln auf einem gefrorenen Feld und ich hoffte in diesem Moment, dass es nie auftauen möge. Der Klamottenspaß stand bevor. Ich lief eine kleine Runde zur Erwärmung und merkte schon – Sonne und Wind würden heute die ständigen Begleiter sein. Es war schwierig, sich zu entscheiden. Das ging übrigens anderen Läufern auch so. Kurz vor dem Start hielten sich viele noch an den Autos auf und experimentierten. Ich entschied mich für meine warme Jacke, zog aber noch ein Shirt drunter aus und tauschte die warme Mütze gegen eine leichte. Doch was immer ich gewählt hätte – es wäre stets das Falsche gewesen.
Pünktlich um Zehn war der Start. Es gab Strecken zwischen 10 km, Halbmarathon, Marathon und 50 km auf einem 10 km-Rundkurs. Alle starteten gemeinsam und es sollten also Runde für Runde weniger Läufer werden. Die Strecke verlief zunächst über freies Feld Richtung Marburg, kreuzte dort die Lahn und ging schnurstracks an einer Straße entlang zurück. Nach Kilometer sieben kam ein kurzer Abschnitt mit Wendepunkt und dann war die Runde auch schon fast geschafft. So ging es zunächst locker voran, doch schon die erste Runde gab einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommen würde. Die Runde war wettertechnisch praktisch zweigeteilt. Auf der einen Hälfte blies der eisige Wind durch die Sachen, auf der anderen Hälfte war es windstill und die Jacke viel zu warm. Dieses Wechselspiel führte eigentlich nie zu echtem Wohlbefinden. Schon auf dem zweiten Abschnitt nervte der Wind extrem und in der dritten Runde wurde es richtig heftig. Die Muskulatur begann, fest zu werden und schmerzte. Ich hatte immerzu das Gefühl, in der Arktis gegen einen Windkanal zu laufen. Und auf dem Rückweg brannte sie Sonne. Möglicherweise spielte unter diesen Bedingungen auch der schwere Lauf in Merkers noch eine Rest-Rolle. Der war ja gerade erst zwei Wochen her.
Eigentlich wollte ich heute 50 km als Training laufen und war zeitmäßig gut unterwegs. Doch unter den erlebten Umständen war der Spaßfaktor nicht wirklich hoch und so habe ich anfangs der vierten Runde beschlossen, dass es ein „normaler“ Marathon diesmal auch tut. Von der Wertung her war es egal. Ein Service bei diesem Lauf ist es, dass man praktisch noch unterwegs seine Strecke ändern kann. So habe ich das gemacht und bin nach der vierten Runde nur noch die 2,195 km-Zugabe für die Marathonwertung gelaufen. Ich habe am Ende nichts verpasst. Wenn es ein Punkt-zu-Punkt-Kurs gewesen wäre, wäre ich die acht Kilometer noch gelaufen. Auch wenn ich die fünfte Runde hier noch gemütlich in 1:20 h „gejoggt“ wäre, hätte ich eine persönliche Bestzeit erzielt. Aber das war nicht mein Ziel. Die Saison steht am Anfang und jeder Lauf in diesen Wochen ist Rennsteiglauf-Training. Nicht mehr und nicht weniger. In diesem Sinne bin ich zufrieden mit dem, was ich an diesem Tag geschafft habe, auch wenn es „nur ein Marathon“ war. Über eine Finisher-Medaille hätte ich mich dennoch gefreut,mal angemerkt. Leider scheint diese Tradition in Marburg noch nicht angekommen zu sein.
Ach ja - die Eisbeine habe ich übrigens in der Infrarot-Sauna nach dem Auslaufen im Fitnessstudio aufgetaut. Und dann war noch der Sonnenbrand rund um die Nase – ohne Quatsch, auch den gab es bei diesem verrückten Lauf! Nun, jetzt geht es erst mal langsam weiter mit dem Training. Immer in der Hoffnung, dass bald die Waldwege frei werden.