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Laufwunder

Ein Tag - zwei Kämme - x Bierchen

13. September 2012 , Geschrieben von Holger

Letzten Sonntag habe ich mich mit einer Aktion belohnt, auf die ich mich schon ewig gefreut habe. Eine Kammquerung über den Thüringer Wald ist bei uns ja eigentlich Tagesgeschäft und passiert nahezu zwangsläufig bei jedem längeren Trainingslauf. Mir schwirrte allerdings schon lange der Gedanke im Kopf herum, mal einen Lauf mit zwei Kammquerungen zu machen. Außerdem war es sowieso wieder Zeit für einen Kracher nach dem eher verhaltenen Laufsommer. Also ging ich es an. Manu brachte mich nach Zella-Mehlis, dort, wo in der Nähe der Autobahn-Anschlussstelle Oberhof das Lubenbachtal beginnt. Der Weg sollte das Ziel sein, deshalb hatte ich den ganzen Tag eingeplant und wollte die Strecke unterwegs je nach Lust und Laune gestalten. Als „Eckpunkte“ hatte ich mir nur die beiden Portale des Brandleitetunnels und den Schneekopf zurechtgelegt. Ich lief also langsam los in Richtung Bahnhof Oberhof. Fast unmerklich stieg die Strecke an, aber schon auf den knapp vier Kilometern bis zum Bahnhof standen über hundert Höhenmeter auf der Uhr.

WP 000058Dann schaute ich über das Bahnhofsgelände ins Südportal des Tunnels und als grüne Wand dahinter kündigte sich der nächste Abschnitt an – hinauf zum Rondell und damit auf den Kamm. Ich kraxelte dann den steilen Anstieg hinauf, der mich auf weiteren vier Kilometern auf gut 800 Meter Höhe brachte. Zwischenzeitlich nahm der Lauf den Charakter eines „Strongman“-Rennens an. Der Forst war so frei, einige hundert Meter mal eben komplett zu blockieren. Kein Hinweisschild irgendwo, an dem man hätte die Route ändern können. Der einzige Weg führte direkt über die Stämme und immer in der Hoffnung, dass das Zeug nicht ins Rollen kam. Dann stand ich das erste Mal in Höhe des Rennsteiggartens oben auf der Höhe. Ich suchte mir einen Weg bergab Richtung Gehlberg und meine erkämpften Höhenmeter schmolzen auf den folgenden Kilometern wieder dahin. Zwischenzeitlich beschloss ich, nicht bis in den Ort hinab zu laufen, sondern nur bis zum Nordportal des Tunnels und dann den Schmücker Graben wieder bergauf zu nehmen.

WP_000063.jpgAm Tunnel machte ich wieder eine kleine Rast. Normalerweise kann man von hier oben prima die Zugspitze sehen. Vorausgesetzt, man hat Geduld oder den Fahrplan dabei. Ich hatte beides nicht und trabte wieder bergan in Richtung Rennsteig. Jetzt kam eine Gegend, in der ich mich nicht sonderlich auskannte und nur die grobe Orientierung hatte. Ein bisschen wollte ich ja auch neue Wege entdecken und so nahm ich kurz vor dem Rennsteig einen Abzweig Richtung „Güldene Brücke“. Vorher füllte ich meine Wasserflaschen noch mit frischem Quellwasser auf. Der Weg führte mich dann mit Blick Richtung Norden um den Großen Beerberg herum. Die riesigen zusammenhängenden Waldflächen in Richtung Gehlberg und Kehltal hatte ich so noch nie gesehen. Mir kam die Diskussion über das angedachte Skigebiet in dieser Ecke in den Sinn. Ich kann das viele Für und Wider verstehen. Man könnte kilometerlange steile Abfahrten schaffen, die den kleinen Hang in Oberhof komplett bedeutungslos werden lassen würden. Andererseits würde sich das Landschaftsbild eben deutlich verändern und weitere Begleitumstände waren abzusehen. Schwierig, das zu entscheiden. Mit diesen Gedanken war ich unterwegs in Richtung Schneekopf. Ich nahm dann auch den steilen Pfad über die Teufelskanzel, einen Aussichtspunkt, den ich bis dato auch nur dem Namen nach kannte. Kurz danach stand ich bei bester Sicht und frischem Wind auf dem Schneekopf. Das schöne Wetter hatte jede Menge Leute zum Wandern animiert und irgendwie schienen sich alle da zu treffen.

WP_000065.jpgDie Sicht war verhältnismäßig gut und Oberhof lag wie auf einem Teller vor mir. Ich bekämpfte erfolgreich das Verlangen nach einem Bier an der Neuen Gehlberger Hütte (warum eigentlich, habe ich mich später gefragt…). An der Schmücke querte ich dann zum zweiten Mal den Kamm. Eigentlich erst ein paar Kilometer später, denn ich folgte dem Rennsteig noch bis zum Mordfleck, bevor ich ihn in Richtung Goldlauter verließ. Von da an waren es nur noch knapp zehn Kilometer. Inzwischen war es sehr warm geworden und ich spürte auch das Streckenprofil langsam aber sicher in den Knochen. Der Wasservorrat war nun auch zu Ende. Genau in dem Moment erreichte mich ein Bild von dem Bierchen, dass mein Bruder gerade vor sich hatte und mal eben als SMS rüberschickte. Ist das fies? So muss man sich bei ner Fata Morgana vorkommen.

Aber ich nahm es gelassen, denn ich wusste, was im Keller auf mich wartete, wenn ich erst zu Hause wäre. Diese Aussicht trug mich dann auch die letzten Kilometer. Am Ende hatte Freund Garmin gut 32 Kilometer Strecke und immerhin 2256 m Höhenmeter Anstiege ermittelt! Neben dem wunderschönen Landschaftserlebnis zählte für mich am Ende des Tages vor allem die Erkenntnis, dass ich wieder fit für lange Strecken bin. Die neuen Laufschuhe haben ihren Test auch bestanden. Ein runder Tag eben, der mit diversen kohlehydratergänzenden ionischen Getränken endete. Ja, und wer kommt denn nun zum Bärenfanglauf?

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