Bei mir in Frankfurt
Am Ende meines Laufjahres stand wieder der Frankfurt-Marathon. Warum? Ich weiß nicht genau, aber irgendwie war die Zahl der langen Läufe in diesem Jahr überschaubar und ein Straßenlauf durfte es dann eben noch sein. Straßen-Marathon in Frankfurt. Das ist nicht die Stimmungs-Nummer wie in Berlin, dazu ist die Strecke einfach nicht durchgängig belebt genug. Also Kilometerfressen und sehen, was nach dem Brocken am Brocken noch geht. Das war der Plan.
Nach dem Wintereinbruch unter der Woche stand zuerst die Frage nach dem Genuss-Wert des Vorhabens. Zum Glück schien frühmorgens schon die Sonne, allerdings bei minus drei Grad in der Innenstadt. Es sollten maximal fünf Grad werden, dazu oft strammer Wind in den Straßen. Durch die Zeitumstellung hatte ich beizeiten ausgeschlafen und drehte erst mal eine Runde, um irgendwie festzulegen, was ich anziehe. Am Ende war ich bei dickem und dünnem Shirt, Kopftuch und der Winter-Laufhose angelangt. Nur auf Handschuhe verzichtete ich. Am Start sah es aus, als würde der Lauf im Januar stattfinden – lange Hosen, Jacken, Mützen, Handschuhe … nur Wenige waren in kurz zu sehen. Ich schätze mal, die hatten einfach nichts anderes dabei.
Ja und dann ging es irgendwann los und ich habe nicht mehr viel zu berichten. Nach der gebotenen Konzentration beim Leute-Umkurven auf den ersten Kilometern war ich recht bald in einem schnellen, gleichmäßigen Tempo und es dauerte nicht lange, da war ich „weg“. Sowas von Runners-High habe ich noch nicht erlebt. Ich kann mich nur bruchstückenhaft an die Strecke erinnern. Ich bin einfach gerannt, habe ab und zu Kilometerschilder wahrgenommen und selbst in der Innenstadt ganz selten mal Zuschauer wirklich bemerkt. Ich schätze, zwei Drittel der Strecke habe ich auf diese Weise ganz bei mir verbracht. Auf den letzten zehn Kilometern spürte ich dann die langen Bergabstrecken am Brocken und den kalten Wind. Meine Oberschenkel fühlten sich an, als wären Stahlkugeln drin. Normalerweise bin ich unanfällig gegen Krämpfe, aber hier war es immer dicht davor. Zumal mein „Rausch“ dazu geführt hat, dass ich durchgängig an meiner Leistungsgrenze gelaufen bin, wahrscheinlich manchmal auch drüber. Anders ist es sicher nicht zu erklären, dass in der Festhalle die Uhr bei der zweitschnellsten Zeit anhielt, die ich je bei einem Marathon gelaufen bin. Bei den Verhältnissen eigentlich ein Unding. Ich habe echt ein paar Minuten gebraucht, um wieder zu „landen“, dann erst konnte ich mich richtig freuen. Interessant wäre aber, dass Ganze mal bei zehn Grad wärmeren Temperaturen zu wiederholen…