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Laufwunder

Auf dem Kuhfladen-Trail

26. September 2012 , Geschrieben von Holger

Das vergangene Wochenende brachte wieder die berühmten drei Dinge zusammen: Zeit, Lust auf einen langen Lauf und brauchbares Wetter, nachdem es in der Nacht zum Sonntag ordentlich geschüttet hatte. Ich startete diesmal am Skistadion in Goldlauter-Heidersbach und wollte zwischen Schmücke, Schmiedefeld und Vessertal ein paar schöne Stunden verbringen und dabei vielleicht auch unbekannte Wege entdecken. Diesem Pfadfinderdrang nachgebend nahm WP_000091.jpgich nicht die langweilige Rosenkopfstraße in Richtung Suhler Hütte, sondern folgte dem Gipfelweg. Dieser schlenkerte auf feuchtschlammigem Untergrund bergauf und führte über den Dietzen-Lorenz-Stein. Das war so ein Fleck, den ich bisher nur vom Hörensagen kannte. Ich entdeckte einen wunderschönen einsamen Aussichtsfelsen in 900 Meter Höhe mit freiem Blick nach Südwesten. Die aufsteigenden Wolken, durch die sich die Sonne kämpfte, sorgten für ein Bild, das sich in jeder Sekunde änderte. Viel zu schade, hier einfach achtlos weiterzulaufen! Das ist es, was ich mit Genuss meine, wenn ich unterwegs bin!

Mit diesen Eindrücken gelangte ich bald darauf in Höhe der Suhler Ausspanne auf den Rennsteig. Jetzt begegnete ich auch immer wieder Wanderern, teils nur mit Stöcken, teils mit Mehr-Tage-Kram-Rucksack. Über Schmücke, Mordfleck und Alte Tränke ging es entgegen der Strecke des Schneekopflaufes locker in Richtung Schmiedefeld. Bis dorthin, wo der Weg kurz vor dem Ort über eine große Wiese führt. Hier stand plötzlich ein Weidezaun! Ich sah mich um. Kein anderer Weg zu sehen, der in den Ort führen könnte. Allerdings war auch kein Rindvieh in Sicht. So sprang ich kurzerhand über den Zaun und folgte dem Weg weiter. Aus dem Laufen wurde lustiges Springen, denn jede Menge Kuhfladen lagen unsortiert herum. Da waren auch plötzlich die passenden Tiere dazu zu sehen! Ich wollte sie in großem Bogen umgehen. Das bedeutete, dass ich vom Weg runter und quer über die Weide musste. Kuhfladenüberspringend und ausschauhaltend schaffte ich auch das und sah endlich Schmiedefeld. Allerdings war ich ja noch nicht von der Weide runter und kurz vor deren Ende WP_000094.jpgnahte das nächste Unheil: Bullenkälber! Ehe die mich als Spielzeug identifizieren konnten, schnitt ich ihnen ein paar Grimassen, gab einige Kuh-Laute zum Besten und machte, dass ich über den Zaun kam. Die Alm-Idylle auf dem Foto war also trügerisch.

So gelangte ich dann auf den Sportplatz in Schmiedefeld und hatte damit 18 Kilometer zurückgelegt. Diesmal war allerdings dort völlige Ruhe, kein Zielgetümmel wie im Mai, nichts. Mittagsruhe obendrein. Ich überlegte kurz meinen weiteren Weg. Ich hatte noch Lust auf mehr und lief weiter in Richtung Vessertal-Kernzone. Wer es mal richtig ruhig mag, der sollte dort laufen! Auf diesen 9 Kilometern hinab nach Breitenbach geht es wildromantisch zu. Über eine Stunde lang bin ich keinem Menschen begegnet! Ich war inzwischen gedanklich völlig entrückt und bin buchstäblich mit Schrecken erwacht, als mich kurz vor Breitenbach ein Radler überholte.

Von Breitenbach wollte ich dann eigentlich entspannt den Radweg über Erlau und Hirschbach nehmen. Irgendwie habe ich mich am Ortsausgang an einer unklar beschilderten Gabelung verlaufen. Nach einigen hundert Metern durch Gestrüpp fragte ich dann doch mal mein smartes Phone um Rat und ließ mir auf der Karte zeigen wo ich bin. Abseits aller Wege, aber tendenziell richtig, war die Antwort. Ich hatte nun keine Lust mehr, den Weg zu suchen und bin ca. zwei Kilometer querfeldein gerannt. Kuhfladen-Trail, Teil zwei. Die letzten sieben Kilometer hinauf zum Suhler Friedberg zogen sich dann nochmal richtig lang hin. Zumal ich immer den gleichen Fehler mache und zu wenig Verpflegung dabei habe. Da muss ich einfach dran denken. Immerhin war ich am Ende gut fünf Stunden unterwegs und habe fast einen kompletten Marathon zurückgelegt, dazu wieder jede Menge Höhenmeter. Eine Schallmauer ist dabei auch gefallen: noch nie habe ich einen so langen Lauf nur für mich allein gemacht, ohne Startschuss, ohne vorher bekanntes Ziel, ohne vorgegebene Distanz und ohne Begleitung. Vermisst habe ich nichts davon, es war einfach nur ein Tag für mich. Toll.

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J
Irgendwie klingt es vertraut, wenn ich auf den meisten Wegen auch noch nie unterwegs war.<br /> <br /> Grüße<br /> <br /> Jörg
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