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Laufwunder

Nicht um jeden Preis!

25. September 2009 , Geschrieben von Laufwunder

Noch ein Wort zum Berlin-Marathon. Ich glaube, mit 40.000 Teilnehmern ist nun wirklich die Kapazität ausgeschöpft. Wenn ich an das Gedränge an den Verpflegungsständen denke oder der knappe Platz in den Duschzelten. So eng war es noch nie! Wie viele andere Läufer habe ich mich auch draußen auf der Wiese umgezogen. Nicht auszudenken, wenn da wirklich mal schlechtes Wetter ist! Dann gibt es ein zweites Woodstock vor dem Reichstag! Ich hoffe, die Veranstalter haben das auch registriert und bekommen wieder die Kurve zwischen Kommerz und Sportereignis.

Noch etwas fällt mir ein zu dieser Überschrift. Wenn man sich im Läuferfeld nach der Hälfte der Strecke mal umsieht oder schaut, wer am Ende des Feldes reinkommt… Im Vergleich zu früheren Jahren fällt mir die zunehmende Menge an Teilnehmern auf, denen ich zurufen möchte „Warum tut ihr euch das an?“ Offensichtlich mit vielen Kilos zu viel drauf, quälen sie sich einen ab und sehen schon nach zehn Kilometern ziemlich schlimm aus. In einem Interview wurde ein ausgeschiedener Läufer befragt, seit wann er aktiv läuft. Die Antwort – seit einem Monat!!!

Ich weiß da immer nicht, ob ich die Leute bedauern oder ob ich mich verarscht fühlen soll. Ich hatte es in meinem Bericht geschrieben - auch mit über zwanzig Jahren Marathonerfahrung habe ich Riesenrespekt vor der Strecke und allen, die sie als Läufer bewältigen. Mir würde es nie einfallen, einen Marathon unvorbereitet anzugehen. Was sind das für Geschäftemacher, die übergewichtigen Sport-Anfängern versprechen „In einem Jahr zum Marathon“ und solchen Quatsch? Leute, kommt doch runter von euren Ego-Trips! Muss der erste Lauf im Leben gleich ein Marathon sein? Wie wäre es mit einem langsamen Heranführen an den Ausdauersport mit dem Ziel, zunächst Freude an der Bewegung zu bekommen? Irgendwann kommt mal ein 10 km-Lauf, später der Halbmarathon und irgendwann, wenn man weiß, was man da tut, dann kann es ein Marathon sein! Ich möchte nicht arrogant sein, aber wer einen Straßen-Marathon nach über sechs Stunden, also mit weniger als 7 km/h,  „finisht“,  ist für mich kein Läufer mehr. Das finde ich auch nicht fair gegenüber den gut vorbereiteten Sportlern. So, das musste auch mal gesagt sein ;-)

 

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R
<br /> Natürlich ist das in Ordnung. Ich fühle mich geehrt. ;)<br /> <br /> <br />
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R
<br /> Genauso, ich habe das auch im vergangenen Jahr gemacht. Da bin ich mit besagter Sportfreundin und ihrem Mann in der Schorfheide gelaufen. Einerseits war es schön, so gemeinsam mit anderen Läufern<br /> unterwegs zu sein, aber andererseits habe ich gemerkt, wie anstrengend das ist, 6 Stunden zu laufen. Das gemeinsame Erlebnis und die Freude über den gut beendeten Marathon der Sportfreundin<br /> überwog. :)<br /> <br /> Ich hoffe, Du hast nichts dagegen, wenn ich Dein Blog bei mir verlinke.<br /> <br /> Viele Grüße<br /> Ramona<br /> <br /> <br />
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L
<br /> <br /> So gesehen, sind wir Freizeitläufer sowieso besser drauf als die Profis. Haile läuft genau 2 Stunden und ein paar Minuten und dann isser platt :-) Ob der seinen Hintern auch 5-6 Stunden<br /> ununterbrochen bewegen kann? ;-) Das ist doch die wahre Leistung, so sehe ich das auch. Ich lege auch einen Link auf deinen Blog, ist das okay?<br /> <br /> Grüße vom Holger <br /> <br /> <br /> <br />
R
<br /> Lieber Holger, was Du sagst spricht mir aus der Seele. Vor allem solche Leute wie den jungen Mann, der nach einem Monat Training einen Marathon laufen wollte, verstehe ich überhaupt nicht (obwohl<br /> ich als junge Frau ähnliche Fehler machte - man macht sich da gar keine Gedanken drüber, was man sich damit wirklich antut). Aber in einer Sache muss ich protestieren. Du kannst nicht alle 6<br /> Stundenläufer über einen Kamm scheren. Es gibt Läufer und Läuferinnen, die regelmäßig laufen und trotzdem nicht schneller sind. Ihnen geht es um etwas ganz anderes. Ein Freund von mir war mit<br /> seiner Frau dabei, die ihren zweiten oder dritten Marathon nach einer Krebserkrankung gelaufen ist. Er hat sie begleitet. Sie sind um die sechs Stunden gelaufen. Er hat sie begleitet, obwohl er<br /> wesentlich schneller hätte laufen können. Ich finde es großartig, wenn Menschen auf diese Art zeigen, dass mit einer schweren Erkrankung nicht Schluss ist, dass es geht, dass man auch solche Dinge<br /> machen kann. Grenzen verschieben.<br /> Persönlich weiß ich aber auch, wie schwer es ist, sechs Stunden zu laufen. Es ist einfach sehr anstrengend für den Stützapparat.<br /> <br /> Bei Läufern, die viel zu wenig trainiert haben und dann mit viel Quälerei so lange unterwegs sind, magst Du mit Deiner Meinung Recht haben.<br /> <br /> Viele Grüße<br /> Ramona<br /> <br /> <br />
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L
<br /> Hallo liebe Ramona,<br /> <br /> und vielen Dank für die Kommentare! Natürlich geht meine Kritik ausschließlich an die Sportsfreunde, die glauben, mal eben ein Paar Laufschuhe zu kaufen und ruckzuck einen Marathon laufen zu wollen<br /> ;-) Womöglich noch animiert von geschäftstüchtigen "Trainern".<br /> Du hast völlig recht, mit dem was du schreibst. Wer so lange Strecken läuft weiß auch, dass es mal Situationen geben kann, bei denen man froh ist, das Ding irgendwie ins Ziel zu bringen.<br /> <br /> Ich habe sowas im vorigen Jahr selbst mal mitgemacht. Ich habe es wirklich nicht fertiggebracht, eine Sportfreundin, mit der ich den Großteil des Rennsteiglaufes zusammen gelaufen bin, im Stich zu<br /> lassen, als sie von Krämpfen geplagt wurde. Wir sind eben stückweise gewandert, haben die Krämpfe "rausgezerrt" und uns langsam vorgearbeitet zum Ziel. Am Ende waren wir auch nach genau 6<br /> Stunden da und stolz, es im Team geschafft zu haben ;-)<br /> <br /> Insofern kann ich das von dir geschilderte Beispiel gut nachvollziehen. Das ist Sportsgeist pur und es ist schön, dass es sowas in der "totalen Leistungsgesellschaft" noch gibt.  <br /> <br /> Auch für dich einen schönen Lauf-Herbst und liebe Grüße in den Norden!<br /> <br /> Holger<br /> <br /> <br />