Hier nun mein Bericht über unser Wochenende in Füssen. Wir sind schon am Freitagmorgen losgedüst in Richtung Süden. Immerhin lagen 420 Kilometer vor uns. Leider hielt sich das Wetter exakt an die Prognose. Da, wo man eigentlich die Berge sehen sollte, zogen nur Wolken in der Gegend herum. Es begann es in Strömen zu schütten und sollte bis Samstag spätabend nicht wieder aufhören. Also war der Schirm unser ständiger Begleiter, doch damit konnten wir angesichts der wunderschönen Altstadt von Füssen gut leben.
Wir haben einfach das Beste draus gemacht, haben uns alles angesehen und auch gleich die
Startunterlagen abgeholt. Dort gab es auch die erste Überraschung: Anstelle der üblichen Probepackung irgendeines Wunder-Lauftrunks gab es zwei große Stücken bayerischen Käses, den eine Sennerei
gesponsert hatte! Eine tolle Idee, nur zum Glück war es kühl im Zelt. Ich habe mir die armen Helferinnen schon bei 35 Grad vorstellt, ich glaube das hätten die nicht ausgehalten bei dem Gemüffel!
Aber geschmeckt hat er! Den Freitag beendeten wir übrigens noch mit einem „Kirchen-Marathon“. Zufällig fand nämlich die „Nacht der offenen Kirchen“ an diesem Abend statt. In jeder Kirche war
irgendetwas los und so konnten wir praktisch nebenbei noch vier schöne Kirchen an diesem Abend in Augenschein nehmen. Warum auch nicht, wenn mal schon mal in Bayern ist.
Der Samstag war wettertechnisch genauso ein Ausfall wie der Freitag. Also suchten wir nach
„Indoor-Erlebnissen“ und fanden die auch in der Königs-Therme in Schwangau. Übrigens eine ganz tolle Einrichtung: Von jedem Becken aus Blick auf Schloss Neuschwanstein! Selbst in jeder Sauna war
ein Fenster mit Blick auf das Gebirgspanorama eingelassen! Ein ganzer Tag Erholung und Entspannung sollte es werden. Allerdings hatten geschätzte hunderttausend verhinderte Wanderer die gleiche
Idee, so wurde es doch ziemlich eng. Aber gelohnt hat es sich allemal. Abends dann fand in Füssen der erste Teil des Laufwochenendes statt – ein 10 km-Lauf und ein Halbmarathon. Leider bei immer
noch schlechtem Wetter und auch „nur“ auf einem mehrfach zu laufenden Rundkurs durch die Stadt. Dafür war ich nicht hergekommen und so schloss ich in
dieser Zeit lieber meine professionelle Marathonvorbereitung bei Schnitzel und „König Ludwig Dunkel“ ab.
Einen Lichtblick gab es trotz Dunkelheit am späten Abend noch: Es hörte auf zu regnen! Heute morgen führte mein erster Gang vor die Tür. Immer noch dicke Wolken überall, aber es regnete nicht!
Kühl war es auch, so um die zehn Grad. Es roch nach perfektem Laufwetter! Also die entsprechenden Klamotten gesucht, gefrühstückt und Punkt sieben Uhr brachte mich Manu zum Start. Der frühe Start
um 07.30 Uhr hatte auf jeden Fall seinen Sinn. Eine Woche vorher wäre das die Voraussetzung für einen halbwegs hitzekollerfreien Lauf gewesen. Aber heute war alles optimal. Ungefähr 600 Läufer
und einige Staffeln waren am Start.
Ab ging es zunächst Richtung Norden. Einmal rund um den Hopfensee war die erste
Herausforderung. Auf dem Weg dahin ging es an Wiesen und Weiden vorbei. Ungläubig schauten die Rindviecher dem bunten Läufervolk hinterher, das beim Wiederkäuen störte. Sambagruppen waren auch
keine zu hören, dafür das Gebimmel der Kuhglocken. Bayern-Romantik erster Teil. Die starken Regenfälle hatten den Ufern am Hopfensee ziemlich zugesetzt. Schon nach Kilometer vier stand der Weg
das erste Mal komplett unter Wasser – komplett hieß knöcheltief auf eine Länge von ungefähr zehn Metern. Kein Entrinnen möglich, ab hier hatten ALLE nasse Füße! Wehe dem, der keine passenden
Socken und Schuhe hatte! Ich hatte zum Glück keine Probleme damit. Diese Übung wiederholte sich nach Kilometer neun nochmal, diesmal noch schlimmer, auf ca. dreißig Metern und noch tiefer schwamm
Läufer über den Weg! Langsam rechnete ich damit, dass man gleich Fahrräder ausgeben würde. So wäre ich zu meinem ersten Triathlon gekommen.
Entschädigt wurde ich kurze Zeit später. Ab ca. Kilometer zehn hatte man das komplette Panorama
vor Augen und lief von da an darauf zu! Langsam hoben sich auch die Wolken und gaben den Blick auf die Berge frei! Zurück in Füssen, ging es entlang des Forggensees und bald war die Hälfte
geschafft. Vom Tempo her war ich wider Erwarten ganz gut dabei. Ich habe den Lauf ohne wirkliche Vorbereitung, praktisch aus der „Alltagsform“ heraus gemacht und hatte mir kein besonderes
Zeitziel gestellt. Genießen und Ankommen, war die Devise. Die Gruppe mit dem 4:30 h-Pacemaker war mir am Anfang zu langsam. Ich ließ sie schon am Start hinter mir. Wenn ich langsamer werden
würde, könnte ich später immer noch versuchen, mich ihnen anzuschließen. Aber es lief ganz flüssig, immer entlang des Seeufers und langsam näherte ich mich Kilometer 30 und damit dem perfekten
Blick zu den Schlössern. Einfach wundervoll! Die herrliche Sicht lenkte unwahrscheinlich von der Strecke ab. Wer es hier eilig hatte, war selber schuld!
Weiter ging es entlang der Felsen und später auch über den Parkplatz am Schloss Hohenschwangau.
Ich sah den Riesenansturm von Besuchern und es war ein schönes Gefühl, durch die abgesperrte Gasse mittendurch zu laufen. Die vielen Anfeuerungen lockerten die Muskeln für die letzten Kilometer.
Sieben Kilometer vor Schluss deutete die Uhr gar auf eine Zeit unter 4:30 hin! Natürlich erwachte sofort der Ehrgeiz. Allerdings haben sich die Veranstalter noch einige überraschende
Bösartigkeiten auf den letzten drei Kilometern einfallen lassen. Eine Berg- und Tal-Bahn wartete auf die müden Beine, kurze An- und Abstiege, so heftig, wie es sie den ganzen Lauf über nicht gegeben hatte! Die 4:30 h gerieten echt noch in Gefahr!
Doch da kam praktische Hilfe in Gestalt des 4:30-Pacemakers
(er hieß übrigens Peter Orth, wie ich dann herausfand). Mutterseelenallein kam er angelaufen, niemand von der Gruppe war mehr bei ihm. Er meinte nur „Komm mit mir, da bleibt du locker in der
Zeit“. Ich ließ mich gern von ihm ziehen und so schafften wir die letzten beiden Kilometer nochmal recht flott. Auf der Zielgerade gab es dann übrigens auch noch die echten Sambatrommeln!
Tatsächlich blieb die Uhr noch unter der 4:30er Marke stehen! Mir war geholfen und Peter konnte seinen Pacemaker-Job auch erfolgreich beenden. Ich bedankte mich bei meinem „Zugpferd“ und wir
waren beide zufrieden. Eigentlich wollte ich ja nur ankommen…
Fazit für euch: Wenn ihr es auf die Reihe bekommt, mitten im Hochsommer mal einen Marathon zu
laufen, dann nehmt diesen! Er ist vom Profil her nicht kompliziert und lässt sich schön laufen. Die Landschaft entschädigt für alle Anstrengungen! Für mich war es wahrscheinlich die schönste
Marathonstrecke, die ich bis jetzt gelaufen bin!
Wieder zu Hause, sorgte die Gluthitze für eher schlaffe Tage, auch fürs Laufen. So richtig kam ich nicht aus dem Knick. Deshalb habe ich vergangenen Sonntag
eine größere Tour gemacht, auch mit Blick auf den Marathon in Füssen. Bereits 07.30 Uhr war ich im Wald rund um Goldlauter, da schlief das ganze Dörfchen noch. Ich wollte einen Weg Richtung
Rennsteig nehmen, den ich vor Jahren einmal gefunden hatte und seitdem nicht wieder gelaufen bin. Leider habe ich einen falschen Abzweig genommen und von da an wurde auch dieser Lauf zu einer
Entdeckungstour. Nach einer ca. einen Kilometer langen „Rampe“ von ca. 15 % Anstieg zweigten immer neue Wege ab. Bis dahin dachte ich, ich kenne mich gut aus, aber das war nur sehr grob, wie ich
feststellen musste. Ich hielt mich dann an die Wegweiser und entdeckte noch einen herrlichen Aussichtspunkt am Goldlauter Berg. Auch einen Picknickplatz gab es dort! Also hier muss ich irgendwann
mal zum Sonnenuntergang hin – einfach romantisch und abgeschieden, dieses Plätzchen! 
Wenig später trudelte Vroni ein und ab ging die Post für mich.