Wer verrückt ist, darf wiederkommen!
So, jetzt komme ich dazu, euch von meinen letzten Abenteuern zu erzählen. Immerhin war Harz-Gebirgslauf angesagt, aber auch drum herum passierte so einiges. Es begann damit, dass ich am Freitag direkt nach der Arbeit Richtung Schierke losgefahren bin und schon im Raum Erfurt mein Auto bösartigerweise zu bocken anfing. Ich überlegte kurz, aber das Risiko, irgendwelche Fehlermeldungen zu ignorieren, erschien mir zu hoch. Das Wochenende nahte und wir wollten auch nach dem Lauf noch ein paar Tage Urlaub machen. Also rechts ran, die nächste Vertragswerkstatt rausgesucht und hingefahren. Freitagnachmittag um 16 Uhr als unerwarteter Kunde in eine Autowerkstatt zu kommen und Unterwegs-Hilfe anzufordern – ich glaube da hat keiner ein gutes Gefühl dabei. Aber man höre und staune, sofort machten sich zwei Mechaniker über mein Auto her, fanden tatsächlich ein defektes Teil (Abgas-Regelventil, falls das einen interessiert ;-)). Zu allem Glück war das Teil auch noch vorrätig! Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Nach einer guten Stunde hatte ich mein repariertes Auto wieder und keinen Pfennig bezahlen müssen, weil das Ganze auch noch unter Garantie lief! Es gibt ihn also noch, den totalen Service!
Allerdings kam ich dann doch erst nach 20 Uhr in Schierke an. Dort erwartete mich die nächste Überraschung. Ich hatte bei meiner Anmeldung in der Jugendherberge angefragt, ob das Frühstück am Lauftag schon 06.30 Uhr oder wenigstens 7 Uhr sein könne. Als ich ankam, wurde mir sofort mitgeteilt, dass aufgrund der vielen Läufer in der Herberge das Frühstück schon ab 6 Uhr bereitgestellt wird! Noch ein Fall von totalem Service, ich fasse es nicht! Leider habe ich es dann abends nicht mehr geschafft, meine Startunterlagen in Wernigerode abzuholen. Aber beim HGL gibt es die auch am Lauftag noch früh am Start. Eigentlich war ich eher auf die Laufmesse scharf, denn mein Vorrat am geliebten Power-Gel war zur Neige gegangen und ich wollte dort noch neues kaufen. So hoffte ich auf einen Stand im Startgebiet, der möglicherweise schon früh öffnet. Danach ging ich noch auf eine kleine Laufrunde. Es war erbärmlich kalt, so um die zwei Grad und ich ging in Gedanken schon die Klamotten für den Lauf durch. Abends futterte ich dann natürlich noch einen Eimer Spaghetti mit Unmengen Knoblauch und Peperoni. Wenn schon nicht mit Geschwindigkeit, dann würde ich die Konkurrenz wenigstens damit auf Distanz halten ;-)
Am Lauftag war ich tatsächlich um 6 Uhr beim Frühstück – es war alles vorhanden, was Läufer sich wünscht! Also Kompliment an die Jugendherberge, das war einfach toll! Aber kalt war es immer noch und die Wahl der richtigen Sachen wurde interessant. Immerhin geht es von ca. 200 Höhenmetern am Start hinauf auf den Brocken mit 1141 Metern und Hochgebirgsklima. Ich habe mich dann für ein kurzes und ein langes Laufshirt entschieden und die dünne Jacke drüber. Dazu die knielange Hose und erstmals bei einem Marathon die Kompressionstrümpfe. Ein Head-Tuch als Kopfschutz für den kalten Abschnitt hatte ich eingesteckt. Auf Handschuhe verzichtete ich. So sollte es gehen. Bei diesem Lauf ist wirklich auch dieser Teil der Vorbereitung wichtig! Natürlich bekam ich auch meinen Gel-Vorrat noch ergänzt – Waldemar Cierpinskis Laufladen hatte seinen Stand schon früh aufgebaut.
Pünktlich neun Uhr gingen dann ca. 750 Laufwunder auf diesen Abenteuer-Kurs. Kurz nach dem Start passierte das Dümmste, was passieren konnte – die Sonne kam wider Erwarten heraus! Das ist nicht nett, wenn man auf Kälte eingerichtet ist. Ich begann sofort zu schwitzen und überlegte schon, irgendwas auszuziehen. Aber nach zehn Kilometern war alles wieder in Ordnung, es begann nämlich zu regnen.
Das ist dann der Abschnitt, der hinter Ilsenburg über neun Kilometer nur Anstiege bereithält. Bei Km 16 war im Hintergrund noch die Eckertalsperre zu sehen. Die letzten fünf Kilometer vor dem Brockengipfel sind dann wieder vom Feinsten: peitschender Regen, Wind ohne Ende am kahlen Berg und Sicht … naja. Bei Kilometer 18, also kurz vor dem Brocken, war dann auch die Sicht gleich Null. Da sieht Laufwunder auch schon ein bisschen mitgenommen aus, wenn ich das Bild so betrachte...
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Also nichts wie rauf und nach genau 2:30 h war ich oben auf dem Brocken. Schnell ein Foto am Gipfel und gena
uso schnell wieder weg! Es folgte der schöne Teil des Laufes, bei dem immer wieder Wanderer entgegenkamen und die Läufer anfeuerten. Das tat unheimlich gut! Die aufgeweichte, holprige Bergab-Strecke verhinderte allerdings diesmal ein Durchstarten, wie es mir vor drei Jahren gelungen war. Es war wirklich Vorsicht angesagt und ich bin zügig, aber nicht riskant weitergelaufen. Was ich diesmal bewusst zur Kenntnis nahm – es scheint, ich habe kein „30-Kilometer-Problem“ mehr! Den „Mann mit dem Hammer“ habe ich schon ewig nicht mehr erlebt. So richtig war mir das noch gar nicht aufgefallen, aber umso besser. Warum auch immer, ob Erfahrung, Trainingszustand, Power-Gel oder alles zusammen, es fühlt sich gut an, die letzten fünf Kilometer noch unter 30 Minuten laufen zu können.
Leider goss es auch im Ziel in Strömen, aber tapfer löffelte ich mein Süppchen, es war sowieso alles nass. Etwas später, beim Zielbier, kam ich mit einigen anderen ins Gespräch. Da kam sie wieder auf, die berühmte Kilometer-30-Frage „Warum tue ich mir das an?“ Ich sagte dazu:“Wenn die Antwort lautet „Weil ich verrückt bin“, dann ist es okay, dann solltest du für den nächsten Marathon melden!“ In diesem Sinne!