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Laufwunder

Occupy Frankfurt!

31. Oktober 2011 , Geschrieben von Holger

Das hätte auch das Motto des Frankfurt-Marathons sein können bei ca. 15.000 gemeldeten Teilnehmern. Doch das Verkehrschaos am Vortag wurde nicht von den Läufern verursacht, sondern von einer der gleichnamigen Demos, die kürzlich von Amerika rüberschwappten und sich gegen die Auswüchse des Finanzsystems richten. In Frankfurt übrigens wurde sie dann mit einem Camp vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank fortgesetzt. Für mich bedeutete dies einen größeren Umweg in der Stadt, den ich nur dank Navi meistern konnte.

Letztendlich erreichte ich meine Unterkunft und machte mich auch gleich auf den Weg, um meine Startunterlagen einzusammeln. Wow, ein schöner Rucksack, ziemlich schwer! Den Inhalt wollte ich erst später sichten. Vorher nahm ich noch die Festhalle in Augenschein. Heute Platz der Nudelparty, morgen Ort meines grandiosen Zieleinlaufes. Nur deswegen war ich hier. Das Ziel war schon aufgebaut, abergläubisch ging ich drum herum. Alte Regel: Niemals durch das Zieltor, außer wenn du ein Finisher bist! Ich futterte meinen Topf Nudeln und hoffte, jemanden Bekanntes zu treffen – leider vergeblich. Später untersuchte ich den Inhalt des Rucksacks und die Überraschungen setzten sich fort. „Eggs for Energy“ stand auf einer unscheinbaren Packung – vier gekochte Eier, ich fass es nicht! Welcher Sponsor hatte denn diese originelle Idee? Und es ging weiter mit der Energie. Eine Packung „Durazell“-Batterien! Alles passend zum Marathon. Ich sah mich schon nach dreißig Kilometern die Dinger reinschieben und dann abgehen wie das Häschen in der Werbung. Und falls mir irgendeiner was husten sollte, auch dafür war vorgesorgt mit einer Tüte Hustenbonbons. Hab ich was vergessen? Ich hoffe nicht, aber so spannende Geschenke habe ich noch nirgendwo bei einem Lauf bekommen.

Abends spürte ich schon das Vorstart-Gefühl. Kribbeln in der Magengegend, Bock auf einen langen Lauf! Dieses Gefühl auch beim zehnten Start über Marathon und mehr in diesem Jahr noch zu spüren, war beruhigend. Ich war gut drauf, der Kopf war frei und alles klar für den Saisonabschluss. „Seid ihr bereit, ein paar Schritte zu laufen?“, so feuerte der Sprecher am Start die Amateure in den hinteren Starblöcken an. Na klar, sofern es nicht wesentlich mehr als 52.000 Schritte werden sollten, auf geht’s! Es deutete sich auch perfektes Laufwetter an. Endlich mal kühl! Der Plan war, das Ding herunterzujoggen und einen perfekten Zieleinlauf auf dem roten Teppich zu genießen. Mehr hatte ich mir angesichts von Berlin und Brocken in den letzten fünf Wochen nicht vorgenommen. Aber es kam mal wieder anders. Ich hatte von Anfang das Gefühl, das heute was geht. Anfangs bremste ich mich noch ein, merkte aber, dass ich wenige Sekunden wieder in ein schnelleres Tempo fiel. Da beschloss ich, einfach die Sau rauszulassen, wenn sie schon rauswollte. Es ging ja um nichts und ins Ziel würde ich kommen. Nach sieben Kilometern war ich bereits das erste Mal im Runners High, das war noch mitten in der Stadt! Irre. Bei Kilometer 14 traf ich Nora, eine kurze Begrüßung und weiter gings. Halbmarathon bei 2:02 h, immer noch das Gefühl, Bäume ausreißen zu können. Immer wieder erreichte ich diesen besonderen High-Zustand, der nur kurz unterbrochen wurde.

Nach 28 Kilometern hörte ich plötzlich meinen Namen! Ein Sprecher hatte sich hin und wieder Startnummern rausgepickt und die Läufer namentlich aufgerufen. Ich hatte übrigens zum ersten Mal mein Rennsteiglauf-Vereinsshirt bei einem Straßenlauf an und wurde oft darauf angesprochen. „Hab ich schon mitgemacht…“, „Muss ich auch mal machen…“, „Iiiiih da sind ja Berge…“ – in dieser Preislage  kamen die Statements der Mitrennerinnen und Mitrenner. Kilometer dreißig nahte, ich hatte das Gefühl immer schneller zu werden. Bei 2:53 h war ich durch und hatte immer noch Spaß! Ich war zu diesem Zeitpunkt fast zehn Minuten schneller als in Berlin. Irgendwie lief es einfach. Natürlich dachte ich da schon mal über eine Zielzeit nach und alles deutete auf deutlich unter 4:10 h hin. Verrückt. So schnell wollte ich es eigentlich gar nicht haben.

Leider, leider kam nach 33 Kilometern das Pech dazu. Mein Schuh war aufgegangen und ich hockte mich hin, um ihn neu zu binden. Das hätte ich nicht tun sollen. In der Hocke spürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz im rechten Knie. Mein windanfälliges, bergabanfälliges Knie! Wieso meldet sich das hier, auf flacher Strecke ohne Wind? Das hat es seit März nicht mehr getan. Ab sofort wurde die Geschichte zur Quälerei. Unwillkürlich nahm ich eine Schonhaltung ein, die kurze Zeit später auch die Hüfte schmerzen und die Muskulatur am Hinterteil festwerden ließ. Zum Glück deckte das Adrenalin noch halbwegs sein schmerstillendes Mäntelchen drüber. Aber mehr als Traben war nicht mehr drin und knapp neun Kilometer lagen noch vor mir. Die gammelte ich dann irgendwie runter und hatte erst wieder kurz vor dem Ziel Spaß.

DSC00393.JPGDer Zieleinlauf in die dunkle, bunt beleuchtete Festhalle ist ein besonderer Knaller! Lächelnd (wie auch sonst), ging es die letzten Meter hinein und diesmal durchs Ziel hindurch! Beim Blick auf die Uhr habe ich übrigens festgestellt, dass ich trotz meiner multiplen Handicaps noch zwei Minuten schneller als in Berlin war! Ein Glück, dass mich Zeiten nicht interessieren ;-). Aber das Knie hätte auch eine Dreiviertelstunde später auf sich aufmerksam machen können. Ich weiß ja, was es sagen wollte – ab jetzt ist Schonzeit!

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P
<br /> Lieber Holger,<br /> <br /> erst einmal nachträglich herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Marathon in Frankfurt!<br /> Schade, daß wir uns nicht getroffen haben - ich habe immer nach den grünen Shirts Aussicht gehalten und auch alle entdeckt - außer dich!<br /> Erhole dich jetzt gut und höre auf dein Knie!<br /> Viele liebe Grüße<br /> Petra<br /> <br /> <br />
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J
<br /> Gratulation - so muß Marathon sein, naja bis auf das Knie.<br /> Regeneriere schön.<br /> <br /> Jörg<br /> <br /> <br />
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H
<br /> <br /> Danke dir! Das war schon eine gelungene Sache in FFM, aber an Berlin kommt nichts ran.<br /> Grüße vom Holger<br /> <br /> <br /> <br />