Oberelbe-Lauf: Marathon oder Zuschauen
Das vergangene Wochenende stand im Zeichen des Oberelbe-Laufes. Immer wieder auch eine Gelegenheit, mal nach Dresden zu kommen und zu sehen, was es alles Neues in der schönen Stadt gibt. Am Lauf selbst gefällt uns, dass er eine echte Familienveranstaltung sein kann.
Die Hauptläufe über 10 km, 21,1 km und Marathon bieten für jeden von uns etwas. Wobei wir in diesem Jahr das „Sparprogramm“ liefen. Manu versuchte sich nach einer Verletzung diesmal über zehn Kilometer, muttertagstechnisch-sportlich von Tina begleitet. Mir selbst juckte es natürlich in den Beinen, nach Königstein zu fahren und den Marathon zu laufen. Doch angesichts der Harzquerung eine Woche vorher und des nahenden Rennsteiglaufes hörte ich auf die warnenden Stimmen und meldete für die 21,1 km.
Aber was bleibt als Herausforderung bei so einer kurzen Strecke, noch dazu im flachen Land? Eigentlich nur, mal komplett die Sau rauszulassen und zu sehen, wie lange ich das durchhalte. Auf den zweiten Blick erschien mir das sogar spannend, denn im Training laufe ich nie flach und schon gar nicht auf Tempo, sondern immer gemütlich bergauf und bergab. Mal sehen, ob diese Methode auch eine gute Zeit zulassen würde. Das würde meine Erfahrung vielleicht bestätigen. Mit dieser Absicht im Kopf tat ich sogar etwas, das ich sonst nie tue - lief ich mich warm! Das herrliche Wetter und die steigende Beliebtheit des Laufes führten übrigens zu einem neuen Teilnehmerrekord. Über 2300 Läuferinnen und Läufer waren am Start! In der Startreihe neben mir waren plötzlich Heike und Joachim aus der „Aufs Ganze“-Gemeinde. Ich hätte sie nicht erkannt hinter Kopftuch und Sonnenbrille, wenn mich Heike nicht angesprochen hätte. Doch es blieb nicht viel Zeit zum Schwatzen, denn sofort ging es los.
Leider hatten sich wieder einige Freunde ganz vorn eingereiht, die eigentlich viel langsamer laufen wollten. Ob sie das nicht wussten? Jedenfalls begannen viele nach fünfhundert Metern Sprint plötzlich schnaufend zu gehen. Natürlich genau in dem Moment, als die Masse der Läufer auf den nur gut zwei Meter breiten Elberadweg drängte. Ein wildes, gefährliches Kreuz- und Quer-Gehüpfe begann. Ich mit meinen Tempo-Ambitionen mittendrin! Irgendwann kam ich davon, aber insgesamt hat es fast acht Kilometer gedauert, bis sich alles sortiert hatte und ich frei und zügig laufen konnte. Ich weiß nicht, ob der Veranstalter auf dieser Strecke gut beraten ist, künftig noch mehr Teilnehmer starten zu lassen. Der Weg ist sehr schmal und die meisten Läufer tummeln sich nun mal im Zeitbereich um die zwei Stunden. Diese Masse verläuft sich nicht wirklich und teilweise war die Spaßgrenze bei mir schon erreicht. Auf diese Art wurde es ein echter Steigerungslauf. Ich wurde nach hinten immer schneller und schaffte die letzten Kilometer jeweils noch unter fünf Minuten. Am Ende waren es 1:52 h - alles fürs Ego, sonst nichts. Aber Spaß hat es gemacht und die Gewissheit, dass ich über zwanzig Kilometer durchgängig schnell laufen kann, hat angesichts meines langsamen Trainings auch einen Wert. Aber nochmal werde ich mir das Getrampel nicht antun, soviel weiß ich auch. „Marathon oder Zuschauen“ lautet ab jetzt mein Motto für den Oberelbe-Lauf.
Beeindruckend sind in Dresden übrigens immer wieder der Stadioneinlauf und die tolle Stimmung! Bei dem herrlichen Wetter haben wir uns noch eine Stunde in die Sonne gesetzt und Nudeln und Ziel-Bier genossen. Manu und Tina haben ihren Lauf locker durchgestanden. Auf dem Finisherclip ist deutlich zu sehen, dass es mindestens noch eine Viertelstunde schneller gegangen wäre, wenn sie gewollt hätten. Also alles richtig gemacht. ;-)
Für mich ist jetzt ist wirklich Schluss mit längeren Läufen. Ich werde nun, wie es Petra geschrieben hat, „die Power kommen lassen“ für den Rennsteig. Mal sehen, wie sich das anfühlt.