Noch ein Geschenk
Heute habe ich wieder etwas Besonderes erlebt. Stellt euch einen grauen, nebligen November-Donnerstag vor. Das fällt nicht schwer. Es ist kurz nach Mittag, als ich im Radio höre, dass auf dem Rennsteig die Sonne scheinen soll! Sofort stand das Vorhaben für den Nachmittag fest. Zum ersten Mal nahm ich das Geschenk meiner freien Arbeitszeiteinteilung in Anspruch! Die Vorbereitung für ein anstehendes Seminar kann ich auch gut zu Hause machen, die läuft nicht weg.
Also flugs den Computer runtergefahren und ab nach Hause. Überall dichter Nebel und leichter Frost. Schwer vorzustellen, dass das ein paar Meter höher anders sein sollte. Ich bin dann sofort wieder in Richtung Goldlauter aufgebrochen und habe mein Auto am Waldrand in der Nähe des Skistadions abgestellt. Grau, kalt, nichts mit
Sonne. So begann ich den steilen Anstieg Richtung Rennsteig. Auf gut drei Kilometern Streckenlänge kommen über zweihundert Höhenmeter dazu. Immerhin wird man schnell warm dabei.
Auf 890 Metern hatte ich das erste Mal einen hellen Schein wahrgenommen. Kurz danach stand ich auf dem Rennsteig. Tatsächlich schien dort die Sonne! Wo war der Nebel? Unten! Ein Blick durch die Bäume Richtung Süden gab einen Vorgeschmack auf ein besonderes Erlebnis: Inverswetterlage! Sofort gab ich meine erste Idee auf, den Schneekopf zu besuchen. Den besten Blick nach Süden hat man nämlich vom Fichtenkopf. Noch stand die Sonne ziemlich hoch, also steigerte ich meine Vorfreude noch ein bisschen und lief über die Schmücke und den Borstenplatz von Westen auf den Gipfel. Ich wollte kurz
vor dem Sonnenuntergang da sein. Der Blick auf die Wolkenschicht war fantastisch! Schaut euch die Bilder an. Der Baum brennt übrigens nicht. Das war dann auf dem Weg abwärts, kurz bevor ich wieder in das Grau eintauchte. Das Licht der tiefstehenden Sonne wird im Nebel gestreut!
Die restlichen Kilometer verbrachte ich im Sprint, denn es wurde schlagartig wieder sehr kalt und es war inzwischen fast dunkel. Zum Glück stolperte ich weder über Reh noch Hirsch. In Gedanken gratulierte ich mir zu meinem spontanen Entschluss. Hab ich jetzt gelernt, Geschenke anzunehmen? Irgendwie ein gutes Gefühl.