Halb- und Ganzgefrorenes
Nicht dass jemand denkt, es gibt im Winter keine Laufwunder. Seitdem ich bei jedem Wetter laufe, ist mir Letzteres sowas von Wurscht. Die einzige Frage, die steht, lautet: welche Klamotten, welche Schuhe? So bin ich in den letzten Tagen doch zu schönen Erlebnissen in der Natur gekommen. Die Temperaturen tief im zweistelligen Minusbereich hätten mich noch vor einem Jahr niemals zum Laufen animiert. Doch jetzt bin ich wie selbstverständlich bei minus fünfzehn Grad in die warmen Sachen gehüpft und raus ging es in den Winterwald! Sehr viele Leute vor mir hatten diese Idee offenbar nicht, denn es waren kaum Spuren zu sehen. Rund um den Ringberg lagen etwa 25 cm unberührter Schnee auf den Wegen und das Bild war wirklich idyllisch.
Zuerst der Blick zurück auf die Stadt und dann waren nur noch Ruhe, Wildspuren und das Schnaufen eines einzelnen Läufers, der sich mit einem Tuch vor Mund und Nase schützen musste, damit nichts einfriert. Das ging ganz gut, leider musste ich später auf meine Brille verzichten, denn durch die warme Atemluft war sie ständig angelaufen. Also ging es besser ohne das Teil. Das war auch nur halb so schlimm, denn immerhin kenne ich meine Wege und ein bisschen Sicht ist besser als gar keine. So war ich eine Dreiviertelstunde unterwegs. Durch den Schnee lief es sich sehr schön und es fühlte sich durch die trockene Luft kein bisschen kalt an! Und nach dem Warmduschen ;-) war das Laufwunder perfekt.
Leider hielt das herrliche Wetter nicht über ganz Weihnachten. Trotzdem machte ich mich am ersten Feiertag auf, um im Vessertal nach dem Rechten zu sehen. Ich hoffte, dass die Wege noch nicht allzu sehr verschneit seien und laufbar wären. Das erste Problem allerdings war, überhaupt auf den Weg zu kommen. Durch Tauwasser und anschließenden Frost war der Parkplatz Wegscheide eine hunderte Quadratmeter große Eisbahn geworden! Ich konnte kaum das Auto loslassen, so glatt war es. Mit einem festen Halt für die Füße hätte ich es quer wegschieben können! Dazu kamen ein heftiger Wind und Temperaturen im leichten Frostbereich. Also alles Gründe, sofort wieder abzuhauen. Aber nein, nach einigen Pirouetten und angedeuteten doppelten Rittbergern stand ich dann auf dem Waldweg und der war ganz okay. Auf einer relativ festen Schneedecke sank ich bei jedem Schritt ca. drei Zentimeter ein. Krafttraining nebenbei und was ist schon das Wackelbrett im Fitnessstudio gegen einen solchen Untergrund?
Mein Versuch, die empfohlene Lauftechnik anzuwenden, war wenig überzeugend. Wahrscheinlich war das doch eher für Skiläufer gedacht. J Problematisch wurde die Strecke leider erst im zweiten Teil. Einige Waldwege waren durch den Forst geräumt worden und dort waren die gleichen Verhältnisse wie auf dem Parkplatz – eisglatte Spuren! Ich konnte zwischenzeitlich drei Kilometer nur neben dem Weg laufen. Aber okay, ein kleiner Trail-Abschnitt eben. Ein Wink fürs nächste Jahr? Zurück auf der Höhe pfiff dann der eisige Wind direkt in den Weg und das war wirklich lästig. Nach elf Kilometern war die Runde zu Ende und das hat dann auch gereicht.
Mittlerweile hatten sich auf dem Parkplatz noch einige Leutchen angefunden und suchten das beste Fortbewegungsmittel. Von Skiern über Wanderschuhe bis hin zum Mountainbike war alles zu sehen und das Staunen groß. Nur auf das Naheliegendste war keiner gekommen – Schlittschuhe ;-)