Gewitterwolke in beige
Man stelle sich vor: Ein einsamer Läufer hüpft durchs Vessertal. Es ist noch früh am Morgen. Er genießt die Ruhe, ist in Gedanken ziemlich weit weg. Er kommt an einer der Bergwiesen vorbei. Die Pferde genießen die Ruhe ebenfalls. Die Fohlen liegen gemütlich auf der Wiese, sogar einige Stuten haben sich hingelegt. Also Idylle pur. Der Läufer traut sich kaum aufzutreten und schleicht sich vorbei, um die Tiere nicht zu stören.
Doch dann hört er das Unheil nahen. Zuerst Stimmen, noch weit entfernt. Dann ist auch Geklapper zu hören. Beides wird lauter und lauter und plötzlich kippt die Stimmung. Eine Wandergruppe mit ca. 40 Senioren erscheint auf der Bildfläche. Ein fast einheitliches Bild – beige Hose, beige Weste. Die laut klappernden Wanderstöcke nahm der Läufer noch mit Zähneknirschen zur Kenntnis. Doch leider schienen auch die Batterien der Hörgeräte versagt zu haben. Alle grölten sich irgendwie an, egal ob sie die Frau neben sich oder den Herrn in 30 Meter Entfernung meinten. Mit der Ruhe war es jedenfalls vorbei. Blitz und Donner hätten vermutlich die gleiche Wirkung gehabt. Die Pferde sprangen auf und drängten sich erschreckt zusammen. Der Läufer, der am Rande des Weges entgegenkam, wurde ziemlich ignoriert. Er hatte lustig über die Stöckchen zu springen, sein freundlicher Gruß ging in der Masse unter. Zu allem Überfluss klang der Dialekt der Wanderer auch noch sehr südwestdeutsch. Ich wette, das Thema der Wanderung hieß „Natur und Leute kennenlernen“.