Försters Meise
Es geht doch! Man nehme einen freien Tag und nutze die sonnigen Vormittagsstunden zu einem schönen Lauf. Genauso tat ich es gestern. Trinkflasche und Handy in den Rucksack geworfen und ab in den Wald mit dem Weg als Ziel. Ich lief einfach so vor mich hin und hörte dem Gezwitscher der Piepmätze zu.
Zwischen Eichelhäher-Gekreisch und Amselgedüdel kam mir der Newsletter eines Marathon-Portals wieder in den Sinn, den ich in dieser Woche erhielt. Da war die Rede von Laufveranstaltungen, die neuerdings von Behörden untersagt werden sollen. „Wider die räuberischen und grölenden Horden…“ – Luther lässt grüßen. Angeblich wird durch uns Läufer nicht nur das Rauschen im Walde, sondern auch die Tierwelt gestört. Wer die Posse komplett lesen will, kann das hier tun.
Ich ging natürlich sofort in mich und dachte auf den folgenden Kilometern über meinen persönlichen schändlichen Beitrag zum Wald- und Tiersterben nach. Komischerweise fiel mir nichts ein, außer vielleicht mal hinter den Busch…. na ja. Auch meine Teilnahme an organisierten Läufen in der Natur hinterfragte ich kritisch. Ich kann mich nicht erinnern, mal laut grölend in einer Läuferschar durch den Wald gerannt zu sein. Ob so ein Forst-Behördenheini mal das Schweigen im Walde erlebt hat, wenn es kilometerlang bergauf geht? Auch die Panik in den Augen von Reh und Hirsch hielt sich eigentlich immer in Grenzen, soweit ich das beobachten konnte.
Denn die wissen genau: Noch nie hat ein Läufer auf unschuldiges Wild geschossen! Das erledigen die Grünröcke, die mit ihren spritfressenden und abgasspuckenden Jeeps im Wald rumfahren. In den riesigen Autos nur sie mit ihrem dicken Hintern und vielleicht der ungezogene Dackel. Die sind es, die mit der Geweihlikör-Flasche in meuchelnder Absicht auf dem Hochstand lauern! Noch nie hat ein Läufer nachhaltig beständige Schneisen in den Wald gehauen! Das erledigen riesige Maschinen. Die Schäden hat jeder schon gesehen. An dieser Stelle spielen Brutplätze, Wildwechsel und Pflanzen komischerweise keine Rolle. Da geht es ja auch um Profit! Diese Doppelmoral ist der Wipfel! Ich würde den betreffenden Forstbehörden gern den Vogel des Jahres verleihen – eine Meise! Aber womit hat der Piepmatz das verdient?