Entdeckungstouren
Jetzt wird es aber Zeit, sich mal wieder hier zu melden. Die Hitze provoziert eine dermaßen große Faulheit, die sich sogar hier niederschlägt.
Die erste Entdeckung war unser Urlaub auf Mallorca. Wider Erwarten wurden die zwei Wochen nicht durchgängig begleitet von grölenden Ballermännern. So sahen zumindest meine Vorurteile aus, über Jahre wohlgenährt. Die musste ich schweren Herzens aufgeben angesichts eines ruhigen Städtchens im Osten der Insel und den herrlichen Bergen und den schönen Stränden drum herum. Wir haben die Insel mit dem Auto erforscht und keine Sehenswürdigkeit ausgelassen. Also – Daumen hoch für Malle, wobei ich da wahrscheinlich eher im Frühjahr oder Herbst hinfahren würde beim nächsten Mal. Bei der Hitze im Sommer beschränken sich die Aktivitäten doch sehr. Meinen täglichen kleinen Lauf habe ich zwischen sieben und acht Uhr morgens gemacht, da ging es noch, wärmetechnisch sozusagen. Das Aufstehen war sowieso kein Problem angesichts eines verzogenen Kleinkindes im Nachbarzimmer, das spätestens 06.30 Uhr zu kreischen begann. Ich habe es eben positiv gesehen, zum Ausruhen war ja der Rest des Tages noch da. Und ausgeruht haben wir uns reichlich, ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, mal drei Bücher hintereinander gelesen zu haben.
Wieder zu Hause, sorgte die Gluthitze für eher schlaffe Tage, auch fürs Laufen. So richtig kam ich nicht aus dem Knick. Deshalb habe ich vergangenen Sonntag eine größere Tour gemacht, auch mit Blick auf den Marathon in Füssen. Bereits 07.30 Uhr war ich im Wald rund um Goldlauter, da schlief das ganze Dörfchen noch. Ich wollte einen Weg Richtung Rennsteig nehmen, den ich vor Jahren einmal gefunden hatte und seitdem nicht wieder gelaufen bin. Leider habe ich einen falschen Abzweig genommen und von da an wurde auch dieser Lauf zu einer Entdeckungstour. Nach einer ca. einen Kilometer langen „Rampe“ von ca. 15 % Anstieg zweigten immer neue Wege ab. Bis dahin dachte ich, ich kenne mich gut aus, aber das war nur sehr grob, wie ich feststellen musste. Ich hielt mich dann an die Wegweiser und entdeckte noch einen herrlichen Aussichtspunkt am Goldlauter Berg. Auch einen Picknickplatz gab es dort! Also hier muss ich irgendwann mal zum Sonnenuntergang hin – einfach romantisch und abgeschieden, dieses Plätzchen! 
Kurz danach stand ich am Borstenplatz auf dem Rennsteig. Der Rennsteigläufer kennt den Platz kurz vor dem Mordfleck, wo der Herbert-Roth-Stein steht. Eigentlich war mir nun die Strecke völlig egal und ich beschloss, einen Trial draus zu machen. Also musste auch der Fichtenkopf noch dran glauben – über Stock und Wurzeln immer entlang des Gipfelweges. Diesem Weg mit dem roten Dreieck folgte ich dann über die Schmücke, über einen kleinen Schlenker hinauf auf den Schneekopf. Nun war es gegen zehn Uhr und die ersten Wanderer tauchten auf. Ich war zweieinhalb Stunden unterwegs und hatte schon ein wahnsinniges Höhenprofil in den Beinen. Also ging es von nun an zurück nach Hause. Schnurstracks über die Suhler Hütte hinab nach Goldlauter gab ich Vollgas bergab und schaffte die Strecke in einer guten Dreiviertelstunde. Irgendwie anders als geplant, aber mit ganz neuen Bildern im Kopf kam ich zu Hause an. Allerdings war ich auch ziemlich platt. Kein Wunder denn die Addition ergab gut 1000 Höhenmeter an diesem Vormittag.
Morgen geht es nun nach Füssen zum Königschlösser-Marathon. Das Wetter soll etwas kühler werden. Auch nicht schlecht. Hauptsache, die Sicht ist einigermaßen, ich möchte die schöne Gegend genießen und mich nebenbei für die Läufe des Herbstes einrollen. Ich sage euch, wie es ausgegangen ist.