Barbarossa-Fake und Energiekrise
Hier ist nun meine Nachlese zum Kyffhäuser-Berglauf. Eigentlich schade, dass ich diesen schönen Marathon erst im vorigen Jahr für mich entdeckt hatte. Umso mehr freute ich mich schon darauf.
Allerdings musste ich auch diesmal auf die sprichwörtlichen verschlammten Wege verzichten. Es gab herrliches Laufwetter und auch der Untergrund ließ an keiner Stelle ein Schlammbad zu. So machten sich einige hundert Läuferinnen und Läufer auf den Weg, begleitet von den aufmunternden Worten eines Zuschauers: „Die sind alle wahnsinnig“.
Die ersten fünf Kilometer dienten dem lockeren Einlaufen. An der Barbarossa-Höhle stand wieder ER selbst. Allerdings entpuppte sich der Rotbart beim zweiten Hinsehen als Weib! Also voll der Fake! Und ob die Fülle seines/ihres Körpers naturbelassen war oder durch den weiten Mantel erzeugt wurde – ich konnte es in der Eile nicht feststellen. Unübersehbar waren dann jedoch die Anstiege, die sich bis zum Kilometer 17 hinziehen sollten. Irgendwie ritt mich der Höhlenheini doch noch und animierte mich, die Berge in 6er Kilometern hochzurennen, eigentlich viel zu schnell für meine Verhältnisse, aber ich hatte Spaß.
Spaß war auch der nächste Abschnitt bis hin zum Kyffhäuser. Auf herrlichen Waldwegen und immer guter Aussicht ließ ich die Beine laufen, so schnell sie konnten. Ich lag weit vor meiner geschätzten Zeit und beschloss, es einfach mal draufankommen zu lassen. Plötzlich machte sich aber der Hunger im Körper breit. Die Verpflegungspunkte lagen so, dass mein „Gel-Plan“ etwas durcheinander geriet. Normalerweise nehme ich jede Stunde eins, dann komme ich gut über die Runden. In diesem Falle hatte ich nach gut zwei Stunden erst ein Power-Gel genommen und sonst nichts. Kein Wunder, dass es eng wurde. Mit Heißhunger stürzte ich mich über den Verpflegungspunkt auf dem Kyffhäuser. Schleim, Banane, Gel, Tee … ich verschlang alles, was ich schnappen konnte. Das üppige Mahl machte sich selbstredend sofort bemerkbar – der Körper lenkte postwendend die Energie zum Verdauen um, die ich eigentlich für die nächsten Anstiege gebraucht hätte. Einmal Ätsch für amateurhaftes Verhalten!
So musste ich in den zweiten Teil des Laufes doch mehr Anstrengung investieren, als ich eigentlich vorhatte. Aber es ging voran – langsam aber stetig. Auf dem letzten Anstieg hinter dem Flughafen Udersleben joggten dann einige Kameraden mit dem mitleidigen „Geht wohl nicht mehr?“-Seitenblick an mir vorbei. Das grämte mich dann schon irgendwie, denn eigentlich war ich gut drauf. Doch an dieser Stelle wussten die Freunde noch nichts von meinen Finisherqualitäten. Fünf Kilometer vor dem Ziel war ich wieder richtig erholt. Ab dem Bauernkriegsdenkmal gab ich Vollgas und rannte die letzten drei Kilometer nochmal in einer knappen Viertelstunde. Mit lockeren Bemerkungen („Gleich hast du es auch geschafft“) sammelte ich einen ehemaligen Überholer nach dem anderen wieder ein und gab ihnen die Chance, den Text auf meinem Shirt nochmal zu lesen. Soviel Spaß musste dann doch sein. Nur aus Fairnessgründen ließ ich auf der Zielgeraden dem letzten der Fürwitzigen noch den Vortritt. Dort boxe ich als Sportsmann keinen mehr aus der Gasse ;-)
So verlief das Rennen eigentlich genau andersrum, als ich es vorhatte und immerhin, ich war trotz aller Umstände drei Minuten schneller als im vorigen Jahr. Was mir aber noch wichtiger war: Im Ziel konnte ich mich diesmal wieder richtig dem Kick und dem Genuss meiner Leistung hingeben! Dieses Gefühl wollte sich nach den letzten beiden langen Läufen in Marburg und Fürth nicht richtig einstellen. Ich hatte schon Angst, dass in meinem Läufer-Ich ein Marathon zum Tagesgeschäft geworden ist. Das wäre etwas, was ich unbedingt vermeiden wollte! Aber dem ist nicht so und damit ist auch dieser für mich sehr wichtige Teil der Laufwelt wieder in Ordnung.
Tipp fürs nächste Jahr: den Kyffhäuser-Lauf einfach mal mitmachen! Vielleicht klappt´s ja dann mit dem Schlamm ;-)