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Laufwunder

Goethe und die Wüste

24. August 2009 , Geschrieben von Laufwunder

Irgendwie wechseln sich kreative Momente mit faulen Phasen hier bei mir im Blog ab. Ich merke es schon, meine lieben Freunde, mit denen ich hier in Kontakt stehe, lassen nach mit Besuchen und Kommentaren. Ich gelobe Besserung und heute gibt es wieder reichlich ;-)

Ich wollte euch zuerst von meiner Kammquerung des Thüringer Waldes erzählen. Obwohl schon eine Woche zurück, hat sie doch bleibende Eindrücke hinterlassen. Ich startete in Ilmenau auf Goethes Spuren und nahm den Hauptwanderweg zur Schmücke. Der geht natürlich stetig bergan und schon bald sieht man ganz tief unten das Dörfchen Manebach. Nach 13 Kilometern Anstieg, kurz vor der Schmücke, traf ich auf den Gipfelweg und nahm diesen in Richtung Schneekopf über die „Güldene Brücke“. Wer letztes Jahr beim Gipfellauf dabei war, kennt diesen Teil. Das ist ein eher ein Trail denn ein Wanderweg und kostete mehr Konzentration als Kraft. Am Parkplatz an der Güldenen Brücke kam ich doch mal kurzzeitig vom Weg ab, denn es ging plötzlich bergab. Also zurück. So richtig hatte ich den Gipfelweg nicht mehr in Erinnerung und hatte übersehen, dass dieser doch noch ein paar Meter entlang der Straße geht um dann steil und kräftezehrend Richtung Gipfel anzusteigen. Auf dem Gipfelbild seht ihr, wie ich da aussah. Wobei, eigentlich noch ganz fit, oder? ;-)

Auf dem Schneekopf angekommen, sprach mich eine ältere Dame an, die mit Wanderstöcken unterwegs war und eine Rast machte. „Sie sind bestimmt ein Rennsteigläufer!“ – es klang mehr wie eine Feststellung als eine Frage. Ich antwortete ausweichend, dass ich heute von Ilmenau aus gekommen bin. „Aber Sie sehen aus wie ein Rennsteigläufer!“ beharrte sie. Wie zum Teufel sieht ein Rennsteigläufer aus? Ich war schon ein bisschen abgekämpft, vielleicht sah ich auch etwas abenteuerlich aus mit meinem Stirnband und dem Rucksack. Also gab ich zu, dass ich auch schon beim Rennsteiglauf dabei war. „Na, das hab ich doch gleich gewusst“, kam es freundlich zurück. Ich gönnte der Dame den Triumph. Wir wünschten uns noch einen guten Weg und verabschiedeten uns.

Und nun zur Wüste. Ich hatte einen halben Liter Wasser dabei und der war auf dem Schneekopf alle. Ich hatte mich echt verkalkuliert.  Es war doch schon ziemlich heiß und ich hatte noch ca. 14 Kilometer vor mir. Der erste Gedanke war, am Imbiss auf der Schmücke „nachzutanken“. Dann war ich aber zu faul, den Weg zu verlassen und war der Meinung, die eine oder andere Quelle auf dem Rückweg zu kennen. Aber denkste – auf dem Kamm eine Quelle oder kennt jemand zwischen Schmücke und Bierfleck eine? Also nichts wie den nächsten Weg bergab. Langsam wurde mir echt komisch vor Durst. Ich hörte ständig Wasser plätschern und bei genauerem Lauschen war es wieder nur der Wind in den Bäumen. So ähnlich muss das mit der Fata Morgana sein. Ich konnte dann kaum noch bewusst meine Schritte lenken.  Erst drei Kilometer vor dem Ziel fand ich einen Bach. So herrlich hat noch nie ein Liter Wasser geschmeckt, kann ich euch sagen! Das war echt knapp. Irgendwie muss ich nun doch mal das Aquasystem in meinem Rucksack testen. Da passen anderthalb Liter rein. Also, einen Haken unter dem Thema „Grenzerfahrungen“ gemacht. Schreit nicht nach Wiederholung …

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